Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 8 (August 1905)
- Article
- Deutsche Kolonisations-, Wirtschafts- und Kulturbestrebungen im türkischen Orient
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 229 (sequence 5)
- Language
- German
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- İzmir 2× ep/1047963
- Tunis 1× ep/1048155
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— 229 — sagt L. Bernhard in einem Aufsatz „Amerika im Orient" in den „Preussischen Jahrbüchern", Januar 1905: „Ist doch die Türkei ein typisches Beispiel für die allbekannte Weisheit, dass stagnierende Völker den Kauf fremder Fabrikate nicht erheblich vermehren können. Vergebens haben Russland, Frankreich, Oesterreich, Deutschland, England, Italien in hartnäckigem Wetteifer versucht, ihren Export nach der Türkei auszudehnen. Kein Volk kann sich erheblicher Fortschritte auf diesem Gebiete rühmen. Höchstens hie und da ein Erfolg auf Kosten der noch immer dominierenden Engländer, und hin und wieder auch einige hoffnungsreiche Eisenbahngründungen, die bisher stets zu Enttäuschungen führten." Bezieht sich das bisher Gesagte auf den Export nach dem Orient, so wird es Deutschland viel leichter werden, den Import aus Türkisch-Asien zu vermehren, einerseits dank der schnell zunehmenden Bevölkerung Deutschlands, andererseits, indem dafür der Import aus ähnlichen Gebieten, wie z. B. Spanien, Tunis, Italien, etwas verringert werden kann. Auch hierdurch wird Deutschland naturgemäss einen stärkeren wirtschaftlichen Einfluss in der Türkei erlangen, um so mehr, als in jedem Lande der Exporteur höher geschätzt wird als der Importeur. Bisher sind es vor allem Früchte, die in Massen nach Deutschland gehen, Feigen und Rosinen von Smyrna, Haselnüsse von Trapezunt, Pistazien aus Nordsyrien, neuerdings auch Orangen und Mandeln von Jaffa; einen grossen Handelsartikel machen die Weine der jüdischen und deutschen Kolonien in Palästina aus. Auch der Teppichimport nach Deutschland, speziell von Smyrna und dem anatolischen Hochland, ist sehr bedeutend, besonders seitdem ein Stuttgarter Haus sie drüben nach von Deutschland aus eingesandten stilvollen Mustern arbeiten lässt. Auch Rosenöl, eine von Bulgarien aus neuerdings nach Brussa verpflanzte Industrie resp. Kultur, wird von dort aus zum Teil nach Deutschland exportiert; desgleichen Gerbstoffe, wieVallonen und Knoppern, Traganthgummi, Mastix, Storax, Süsswurz, Safran, Kreuzbeeren, Anis, Fenchel, Skammonium, Kanariensaat, Honig, Schwämme, Eier, Eigelb und Eiweiss, Lumpen, Asphalt, Damaskuswaren. Der Handel der grossen Stapelartikel Türkisch-Asiens, Weizen, Gerste, Wolle, Seide, Olivenöl, Sesam etc., auch Baumwolle, geht erst zum kleinen Teil nach Deutschland. Weizen hat auch nicht viel Aussicht, da die Beschaffenheit desselben ihn mehr für Makkaroni- und Griesfabrikation eignet, als für Brot-