Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- Abriss der Geologie Syriens
- Date
- 1905-06-01
- Page
- Seite 181 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 181 — tierfauna wie mitten im Diluvium. Der frühneolithische Mensch, dessen Spuren sich bereits über ganz Syrien zerstreut finden, unterschied sich vom paläolithischen wesentlich nur in der gewonnenen Fertigkeit des Schleifens seiner Stein- und Knochenartefakte, der grösseren Mannigfaltigkeit der letzteren und durch die beginnende Töpferei. Er war noch immer vorzugsweise Höhlenbewohner und Jäger. Erst im zweiten Drittel der Alluvialzeit, d. h. etwa um 4000 v. Chr., beginnt eine wirkliche Kultur mit dem Sesshaftwerden der Bevölkerung, mit der ersten Viehzucht und dem Ackerbau, speziell Getreidebau. Als Haustiere hielt der spätneolithische Mensch Schafe, Kühe, Schweine, Ziegen und vielleicht auch Esel. Seine Geräte fertigte er immer noch aus Steinen (Feuerstein, Basalt), Holz und Knochen. Damit erweiterte er die natürlichen Grotten und Höhlen künstlich oder grub sich neue im weichen senonen Kreidegestein oder in der Erde ein, errichtete Erdwälle und ging zum Steinbau über. Er hatte die Gewohnheit der Leichenverbrennung, des Opferns von Tieren, speziell der heiligen Schweine, und errichtete megalithische Denkmäler, nämlich Menhirs d. h. Malsteine, einzelne grosse unbehauene Felsplaiten, und zu Begräbniszwecken Dolmen und Kromlechs. Die Bewohner dieser Zeit gehörten in Palästina einer vorsemitischen, hamitischenr(?) Urrasse an, es waren die Riesengeschlechter der Horim, Gebalener, Avviter, Enakim, Pheresiter, Emim, Samsummim und Rephaim. Nur in Phönizien existierte damals schon neben den Giblitern eine erste semitische Bevölkerungsschicht, die wohl aus den Euphratländern eingewandert war. Als erste Städte wurden gegründet Byblos, Sidon,Tyrus, Megiddo, Jaffa, Gezer, Gaza, Hebron, die sagenhafte Pentapolis am Toten Meer, Kirjathaim, 'Athäroth, Astaroth Karnaim, Edre'i, Salchä, Damaskus und andere. Gegen den Schluss dieser Epoche könnte man etwa die mythische Katastrophe von Sodom und Gomorrha verlegen, welche als Erdbeben verbunden mit Einsinken einer Scholle des Talgrundes am Südende des Toten Meeres vielleicht an Stelle der heutigen Sebcha, zugleich Emanation von brennbaren leicht entzündlichen Gasen und Petroleum, Austritt des Grundwassers und Uebertritt des Seewassers gedacht werden kann. Mit dem Uebergang des dritten ins zweite Jahrtausend vor Christi Geburt begann der Gebrauch des Metalls. Diese Kupfer- Bronzezeit dauerte von ca. 2000—1250 v. Chr. In ihr finden wir die semitische vorisraelitische Rasse der Amoriter, Phönizier und anderer Kanaaniter und der aus dem Norden eingewanderten