Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- Deutsche Kolonisations-, Wirtschafts- und Kulturbestrebungen im türkischen Orient
- Date
- 1905-06-01
- Page
- Seite 176 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— 176 — deutschen Interessen in . der Türkei schädigen. Sie spielen unseren lieben politischen Nachbarn, die schon lange mit scheelen Augen auf unsere bisher errungenen Erfolge blicken, leichtfertigscharfe Waffen in die Hand, die dazu dienen, das freundliche Einvernehmen Deutschlands mit der Türkei zu trüben. Sobald ein derartiges Presserzeugnis erschienen ist, wird es eben von dieser freundnachbarlichen Seite schnellstens in türkischer Uebersetzung dem Palais übermittelt. Hierbei wird natürlich der traduttore gern zum traditore und — was sich textlich nicht hineinschmuggeln lässt, wird dann durch einen mündlichen Kommentar ersetzt. — Eine Einkehr und Umkehr unserer kolonialen Kreise an dieser Stelle würde den Dank aller derer finden, die wirklich deutsche Interessen in Kleinasien vertreten.* * Noch deutlicher spricht sich derselbe Gelehrte in seinem 1904 erschienenen Buch: „Aus Kleinasien und Syrien" über diese Frage aus, und es kann einem Zweifel nicht unterliegen, dass dies nicht nur die von der Regierung vertretene Meinung, sondern auch die jetzt allgemein in den massgebenden Kreisen Deutschlands zum Durchbruch gelangte Ueberzeugung ist. Er schreibt: „Es ist ja eine offenkundige Torheit ohne Gleichen, dem Deutschen Reiche Gelüste auf Territorialerwerbungen in der asiatischen Türkei vindizieren zu wollen, aber dieser Verdacht wird so oft und so lange wiederholt, bis er immer wieder Gläubige findet. "Wer sich nicht absichtlich jeder vernünftigen Erkenntnis verschliessen, sondern diese Frage nüchtern prüfen will, braucht nur einen flüchtigen Blick auf die Landkarte zu werfen, um sofort — wenn er überhaupt Verständnis für die Bedeutung der geographischen Lage eines Landraumes besitzt — mit grösster Deutlichkeit zu erkennen, dass ein Kolonialbesitz am Mittelmeer und vor allen Dingen in der Levante für Deutschland ein gänzlich verlorener Posten sein würde. Wollte eine fremde Macht ihn Deutschland darbieten, so wäre es ein Danaergeschenk; denn es würde den Gegenstand steter Sorge bilden gegenüber der Frage: wie sollen wir im Falle eines europäischen Konfliktes den levantinischen Besitz schützen und schirmen, wie wir es dem Ansehen des Deutschen Reiches schuldig sind? Ein solches Gebiet wäre im Ernstfalle sofort von allen rückwärtigen Verbindungen zu Lande wie zur See abgeschnitten und sich selbst überlassen, oder richtiger in die Hand des gewaltigen Nachbars gegeben. Und für ein solches Geschick dürften uns unsere Kolonisten doch zu wertvoll sein."