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Altneuland · 1905-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1905) · p. Seite 175

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1905)
Article
Deutsche Kolonisations-, Wirtschafts- und Kulturbestrebungen im türkischen Orient
Date
1905-06-01
Page
Seite 175 (sequence 15)
Language
German
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— 175 — Broschüre von Fesca, und das Zusammenschrumpfen der deutschen Auswanderungsbewegung infolge des industriellen Aufschwunges in Deutschland selbst trugen viel' dazu bei. So schreibt Prof. R. Fitzner im Jahre 1901 in der Zeitschrift Asien (S. 10) in einem Artikel über die wirtschaftliche Erschliessung Kleinasiens; dass „nur eine Kolonisation - in grossem Stil in geschlossenen Gemeinden durch eine kapitalkräftige, einflussreiche Gesellschaft möglich ist. Da aber die Gesellschaft (d. h. die Anatolische Eisenbahngesellschaft) nicht geneigt ist, die immerhin etwas heikle und nicht unschwierige Frage anzuschneiden, so muss die Idee vor der Hand wohl oder übel ein schöner Traum bleiben". Prof. Dr. E. von Düring-Pascha, ein sehr guter Kenner der Türkei, spricht sich in derselben Zeitschrift (S. 40) dahin aus, dass er jede Ansiedlung, sei es im grossen oder irr kleinen, für unmöglich halte, und begründet letzteres durch eine Reihe innerer psychologischer Gründe, ausgehend von der Natur und Denkart des Orientalen. Weit bestimmter spricht Fitzner sich im folgenden Jahre in seiner wirtschaftsgeographischen Studie „Anatolien", Berlin 1902 (S. 64—65), über die Frage aus, indem er schreibt: „Wer nur einigermassen einen Einblick in die rechtlichen und politischen Zustände der Türkei, vor allen Dingen aber in die eigentümlichen verwickelten Verhältnisse des Grundbesitzes gewonnen hat, der wird den Gedanken einer deutschen Kolonisation in Anatolien weit von sich weisen. In der Gegenwart zumal hat die Türkei die deutlich ausgesprochene Tendenz, sich in ihrem Volkstum auf der Grundlage des Islam in Asien innerlich zu konsolidieren. Zu diesem Zwecke werden die im Auslande lebenden Glaubensgenossen mit allen Mitteln herangezogen und in den Provinzen der asiatischen Türkei angesiedelt. Unter diesen Umständen muss der Gedanke an eine fremdländische, nicht mosleminische Kolonisation in Kleinasien, die in Gegensatz zu jener nationalen Kolonisation treten und ein Imperium in imperio bilden würde, als Utopie bezeichnet werden." „Für den Fortschritt Deutschlands im Orient würde es einen grossen Gewinn bedeuten, wenn endlich einmal die Propaganda für eine solche aussichtslose Kolonisation endgültig zum Schweigen gebracht würde; denn die Herren, die in wohlgemeintem patriotischen Gefühl mit grossem Eifer, aber leider ebenso geringer Sachkenntnis für die Kolonisationsideen eintreten, ahnen nicht im entferntesten, wie schwer sie dadurch gerade die

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