Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- Deutsche Kolonisations-, Wirtschafts- und Kulturbestrebungen im türkischen Orient
- Date
- 1905-06-01
- Page
- Seite 174 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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- 174 — Prof. Fesca mit der Ausarbeitung einer Denkschrift über die landwirtschaftlichen Verhältnisse in Anatolien, der dann im Jahre 1902 im „Tropenpflanzer" unter dem Titel „Anatolien, Ueber die landwirtschaftlichen Verhältnisse" veröffentlicht wurde. Die Denkschrift Fe sc äs kommt zu weit weniger günstigen Schlussfolgerungen als Kärger, Naumann und die anderen oben erwähnten Forscher; er drückt sich recht verklausuliert aus, und beginnt mit den Worten: „Deutschen Auswanderungslustigen unbedingt zu raten, sich in Anatolien anzusiedeln, dürfte in hohem Grade bedenklich sein. Die Ertragsfähigkeit des Bodens sowie die wirtschaftlichen Verhältnisse sind keineswegs besonders günstige." Dazu kommt „Fremdheit aller Landesverhältnisse, die persönliche Unsicherheit, die Unsicherheit der Erträge auf unbewässertem Boden, die hohe Steuerlast, die relativ hohen Landpreise, die Rechtsunsicherheit in Bezug auf den Grundbesitz, auf die Steuererhebung und auf die Rechtsprechung usw. Im übrigen, d. h. für den Fall einer Kolonisation, schliesst er sich den Forderungen von Kärger, Naumann usw. an, aber er verlangt bewässerbaren und hinreichend entwässerten Boden, d. h. Bedingungen, die im grossen Stile kaum erfüllbar sind. Unterdessen brachte Major Schlagini weit diese Frage auch vor die Deutsche Kolonialgesellschaft, indem er im Jahre 1900 daselbst einen Vortrag über die Kolonisation in Kleinasien hielt, der dann auch mit den Einwendungen, die Dr. G. v. Siemens, Direktor der Deutschen Bank und Leiter der Eisenbahnpolitik derselben im Orient, nach dem Vortrag dagegen erhob, veröffentlicht wurde. Gegen die Forderung der autonomen Gemeindegliederung und Verwaltung macht v. Siemens geltend, dass eine solche gegen die bisherigen Erfahrungen Verstösse; die Türkei wünsche keine christlichen Siedelungen in ihren asiatischen *Gebieten. Die geforderte zehnjährige Steuerfreiheit nütze wenig. Die Ueberlassung geeigneter grösserer Gebiete sei schwer zu erlangen wegen der verwickelten Besitzverhältnisse, und zollfreie Einfuhr werde auf Schwierigkeiten stossen. Seitdem ist es in bezug auf die Kolonisation in Anatolien recht still geworden; namentlich dieanatolischeEisenbahngesellschaft resp. die Deutsche Bank, die fürchtete, dass eine energische Bewegung in der Presse von den Gegnern der Bagdadbahn leicht in Yildis- Kiosk gegen die deutschen Interessenten ausgespielt werden könnte, tat alles, was in ihrer Macht stand, um dieser Bewegung entgegen zu wirken, aber auch die -Ernüchterung infolge der