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Altneuland · 1905-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1905) · p. Seite 172

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Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1905)
Article
Deutsche Kolonisations-, Wirtschafts- und Kulturbestrebungen im türkischen Orient
Date
1905-06-01
Page
Seite 172 (sequence 12)
Language
German
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— 172 — keit an, dass deutsche Kraft hier in bleibender Verbindung mit dem Vaterlande sich beschäftigen könne. Ferner schrieb General Freiherr v. d. Goltz, damals Militär- Instrukteur der türkischen Regierung, ein guter Kenner Kleinasiens, um jene Zeit an die ,,Allgemeine Zeitung'1 betreffs der Umgebung der anatolischen Eisenbahn: „Ich gedachte der vielen deutschen Bauern, die übers Meer einem ungewissen Schicksal entgegengehen, auch derer, denen aus ihren einträglichen südrussischen Sitzen gerade in unseren Tagen die Austreibung droht. Sie könnten hier, nahe der grossen Welthandelsstrasse ein weites Feld erfolgreichen Wirkens finden, wenn sie in grösserer Zahl kämen, sich zu Gemeinden verbänden und unter einander Einigkeit und Frieden zu erhalten wüssten." Ausführlicher begründet er dies in seinem 1896 erschienenen „Anatolischen Ausfluge", gelegentlich der Beschreibung eines Spazierrittes nach Angora, Mai bis Juni 1889, S. 203-205. Von Bedeutung ist, was er über eine Aeusserung des Sultans Abdul Hamid IL mitteilt, gelegentlich einer ihm erteilten Audienz, als er den Wunsch hegte, deutsches Kapital zum Weiterbau der Bahn nach Bagdad heranzuziehen. „Er hoffe", so äusserte sich der Sultan, „dass deutsche Kolonisten sich an dieser neuen internationalen Handelsstrasse niederlassen und den anatolischen Bauern und Handwerkern durch ihren Fleiss und ihre Intelligenz ein fortreissendes Beispiel geben würden, während sie selbst zu Ansehen und Wohlhabenheit leichter als in der eng gewordenen Heimat gelangen könnten. So würden zwei befreundete Völker das Gute austauschen, was sie einander zu bieten hätten." Ob das mehr war als eine der bei den Orientalen so beliebten Höflichkeitsfloskeln, bestenfalls eine captatio benevolentiae, mag dahingestellt bleiben. Auch der Geologe E. Naumann befürwortet in seinem gediegenen Werke: „Vom Goldenen Horn zu den Quellen des Euphrat", 1893, wohl der besten Arbeit, die in neuerer Zeit über Kleinasien geschrieben ist, die Kolonisation, aber nur in grösserem Massstabe, in geschlossenen Gruppen und mit einer sorgfältig erwogenen und eingeleiteten Organisation. Es würde gefährlich und leichtsinnig sein, wenn sich einzelne Auswandererfamilien aufs Geratewohl in die Türkei begeben wollten. Die Einwanderer müssten in grösserer Zahl kommen und besondere Milets (Nationen) bilden. Diesen würde der Platz entweder von den Behörden oder seitens einer neu zu begründenden Gesellschaft, welche sich

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