Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- Deutsche Kolonisations-, Wirtschafts- und Kulturbestrebungen im türkischen Orient
- Date
- 1905-06-01
- Page
- Seite 171 (sequence 11)
- Language
- German
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— 171 — Später wurde dann das Interesse Deutschlands mehr von den inneren Fragen in Anspruch genommen, von den Kämpfen Preussens um die Vorherrschaft in Deutschland, von der Gründung und dem Ausbau des Deutschen Reiches, von der Erwerbung der afrikanischen und polynesischen Kolonien. Erst in den 90 er Jahren lenkte sich die Aufmerksamkeit der Deutschen wieder auf Kleinasien, namentlich angeregt durch den der Deutschen Bank im Jahre 1888 übertragenen Bau der sog. Anatolischen Bahn. Zuerst war es der Kolonialtechniker K. Kaerger, der in seiner Studie „Kleinasien, ein deutsches Kolonisationsfeld" der Frage deutscher Kolonisation in Kleinasien näher trat Er bekämpfte energisch eine ungeregelte Auswanderung einzelner, befürwortete hingegen eine geregelte, durch eine kapitalkräftige ■Gesellschaft geleitete Kolonisation; möglichst solle die Anatolische Eisenbahngesellschaft selbst dieselbe in die Hand nehmen und hierzu von der türkischen Regierung eine Reihe von Privilegien fordern, und zwar: 1. Erlaubnis, geschlossene Gemeinden mit eigener, möglichst autonomer Gemeindeverwaltung und insbesondere eigener Polizei jzu errichten, unbeschadet natürlich der Autorität der höheren Behörden. 2. Steuerfreiheit der Kolonisten auf zehn Jahre. 3. Nach Ablauf der Freijahre Feststellung eines Pauscb- ■quantums, das die Gesamtheit der Kolonisten, bezw. für diese die Gesellschaft, an Stelle des Zehnten und der Grundsteuer zu entrichten hätten. Zur Vermeidung von Konflikten zwischen Kolonisten und Behörden seien namentlich 1 und 3 unerlässlich. Wünschenswert sei ferner noch: 4. UnentgeltlicheUeberlassung grösserer, zusammenhängender Flächen zur freien Verfügung der Gesellschaft und ohne die Einschränkungen des Gesetzes von 1856. 5. Befreiung der Kolonisten von der Militärsteuer auf zehn Jahre. 6. Zollfreie Einfuhr der für die erste Einrichtung der Einwanderer bestimmten Gegenstände. 7. Erlaubnis zur Ausprägung grösserer mit der steigenden Einwanderung wachsender Summen von Kleingeld. Auch F. Dernburg spielt in seiner Reiseschilderung: „Auf -deutschen Bahnen in Kleinasien", Berlin 1892, auf die Möglich- 2*