Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- Deutsche Kolonisations-, Wirtschafts- und Kulturbestrebungen im türkischen Orient
- Date
- 1905-06-01
- Page
- Seite 169 (sequence 9)
- Language
- German
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- 169 — gesellschaft zu schwach ist, um alsbald neue Kolonien zu gründen; auch kehren natürgemäss manche Söhne der in Palästina lebenden Familien aus persönlichen oder wirtschaftlichen Motiven nach Deutschland zurück oder verbreiten sich in den syrischen Küstenstädten, wo sie wegen der Kenntnis der arabischen Sprache und des Vertrauens, das sie gemessen, in den europäischen Geschäften natürlich leicht Anstellungen finden. Es lässt sich schon jetzt voraussehen, dass diese Entwicklung in die Breite mit der Zeit weitere Fortschritte machen wird, d. h. dass die schwäbischen Ansiedler wohl schon bald in allen grösseren syrischen Städten kleine Kolonien bilden werden, die das Hotelwesen, einen Teil des Handels und vielleicht auch einige Handwerke inne haben, während sie in den rein landwirtschaftlichen Betrieben sich wohl kaum noch weiter werden ausdehnen können, zumal ihnen doch, wenigstens inPalästina, in wenigen Jahren in bezug auf Gemüse, Obst und Weinbau, sowie in der Milchwirtschaft von den Juden eine sehr empfindliche Konkurrenz gemacht werden dürfte. Abgesehen von den Templern, existieit eine weitere ländliche Kolonisation seitens Deutscher in Türkisch-Asien bisher nicht, trotz allem, was von französischer Seite darüber in die Welt gesetzt wird; es sei denn, dass das Gut Atta Bey bei Amassia in Kleinasien, das in deutschem Besitz ist, sowie einiges der jüdischen Kolonisation dienendes Land in Palästina, das auf den Namen deutscher Untertanen eingetragen ist, gemeint ist. Vor ca. 60 Jahren hatte zwar die Freiburger Firma Mez den Versuch gemacht, eine deutsche Siedelung in Amassia ins Leben zu rufen, jedoch erlag dieselbe, ohne Verstärkung aus der Heimat und Schutz seitens Deutschlands, namentlich aber in Folge vielfacher Verschwägerung mit Armeniern, allmählich den Einflüssen der Umgebung; so dass jetzt ausser der Familie des Herrn Kraz nur noch geringe Reste dieser deutschen Kolonie in Amassia vorhanden sind; diese Kolonie hat sich übrigens durch Verbesserunoder dortigen Industrie, besonders durch Einführung; o o 7 o moderner Mühlen, ein bleibendes Verdienst umjenes Gebiet erworben.- Eine von elf Familien, Deutsch-Russen, in der Nähe von Brussa 1899 begonnene Kolonisation ist längst verfallen1), und die!) Nach Grothe infolge der Plackereien seitens der Regierung und der lotriguen von Griechen und Armeniern, nach v. d. Goltz infolge innerer Streitigkeiten: „Das Dorf wurde durch Tscherkessen überfallen und zerstört, welche Deutsche gegen Deutsche herbeigerufen hatten. Lieber erduldet der Deutsche fremde Gewalt, als dass er sich freiwillig dem Ansehen eines begabteren und glücklicheren Landsmannes unterordnet."