Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- Deutsche Kolonisations-, Wirtschafts- und Kulturbestrebungen im türkischen Orient
- Date
- 1905-06-01
- Page
- Seite 167 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Haifa 3× ep/1047930
- Beirut 1× ep/1047833
- Safed 1× ep/1046078
- Tiberias 1× ep/1048138
OCR text
— .167 — vier Gemeinden in Palästina, nämlich zuerst (1868) in Haifa und Jaffa, indem sie an letzterem Orte eine 1856 von Amerikanern gegründete und später verlassene Kolonie übernahmen, dann (1871) in Sarona, eine halbe Stunde von Jaffa entfernt, und 1873 in Jerusalem. Vor zwei Jahren kam dann eine fünfte Ansiedelung hinzu, Wilhelma bei Ramleh, 15 km von Jaffa entfernt, eine rein landwirtschaftliche Siedelung mit 819 ha guten Bodens. Im Jahre 1903 waren die sämtlichen Kolonien von 1371 Deutschen bewohnt, von denen 1116 der Tempelgemeinde angehörten. Die meisten Ansiedler sind Handwerker, Kaufleute, Weinhändler und Fuhrwerksbesitzer, besonders sind die Ansiedelungen in Jaffa und Jerusalem rein städtischer Natur, in Haifa zählt man unter 90 Familien 23 Winzer und 16 Bauern, in Sarona 10 Winzer und 20 Bauern, so dass die Landwirtschaft treibende Bevölkerung, wenn man die erst teilweise besiedelte Kolonie Wilhelma mit hinzurechnet, sich auf etwa 100 Familien beläuft, die ca. 1500 ha Ackerland, 250 ha Weinberge und 40 ha Orange- und Olivengärten bewirtschaften. Die Bedeutung dieser Kolonien für die Türkei ist infolge der Geringfügigkeit der bebauten Flächen natürlich nur eine minimale, hingegen sind sie lokal, d. h. für Jaffa und Haifa von Bedeutung, speziell durch die Versorgung der Städte mit Milch und Gemüse, auch treten diese Württemberger besonders dadurch für die Fremden sehr sichtbar in Erscheinung, dass sie das Fuhrwerks- und Hotelwesen von Haifa und Jaffa fast monopolisieren, und auch in anderen Orten, Jerusalem, Nazareth, Safed, Beirut, Tiberias, Ramleh, Brumana Hotels oder Herbergen eröffnet haben. Auch industriell sind die Templer erfolgreich tätig, z. B. in der Bierbrauerei (Jerusalem, Jaffa, Haifa), in der Seifenfabrikation (Haifa), im Betrieb von Dampfmühlen (Haifa, Jaffa, Sarona, Jerusalem), in der Zementfabrikation (Jerusalem); ferner liefern oder beherbergen sie Aerzte, Apotheker, Lehrer, Architekten, Ingenieure und Techniker. Durch all diese Gewerbe- und Berufstätigkeiten in Verbindung mit der Wertsteigerung des Landes — bei Sarona ist der Preis des guten Orangelandes seit der Zeit der Ankunft der Templer um das 20fache gestiegen — sind die Templer teilweise zum Wohlstand gekommen, während die Mehrheit wenigstens behaglich lebt. Der Grundbesitz soll — wohl mit Einschluss der Häuser — einen Wert von gut 4 Millionen Mark haben. Unter den 90 Familien der Kolonie von Haifa befindet sich z. B. nach dem