Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- Deutsche Kolonisations-, Wirtschafts- und Kulturbestrebungen im türkischen Orient
- Date
- 1905-06-01
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 164 — „Diese grosse deutsche wirtschaftliche Aktion, die friedliche wirtschaftliche Okkupation Kleinasiens, ist die natürliche Folge der anatolischen und Bagdader deutschen Eisenbahn.. Welch grosses Gewicht Kaiser Wilhelm IL auf die Aktion legte, beweist sein bekanntes Begrüssungstelegramm, das er an die Direktion der betreffenden Eisenbahn sandte, als die Linie Koniah—Bulgurlu eröffnet wurde. Die Deutschen sind also schon bei der zweiten Hälfte ihrer Arbeit angelangt. Ihr Ziel ist das Land der biblischen Verheissung, Kanaan, das an den Ufern des Euphrat und Tigris sich ausbreitende Eldorado, wo dereinst — nach der Bibel — eine Taube 50 Oka wog, und das das reichste Land der Welt war und auch heute noch ist." „Gleichzeitig erobert sich das deutsche Kapital auch in der europäischen Türkei Raum und herrschende Stellung. Die Deutschen haben unter belgischer Flagge die Linie Saloniki— Monastir erbaut (gegenwärtig hat sich ihr Augenmerk auf den Bau der Eisenbahnlinie Athen—Saloniki gerichtet), sie errichten neue Häfen, gründen Banken, begründen Handels- und Industrieunternehmungen; die deutschen Waren verdrängen die übrigen fremden Artikel; die gesamten türkischen Staats- und Armeelieferungen sind in den Händen der Deutschen. Noch vor vierzehn Jahren betrieb das Deutsche Reich den Handel bloss auf der Donau und über Triest. Die im Jahre 1890 in Hamburg gegründete Dampfschiffahrtsgesellschaft Deutsche Levante-Linie hat dem deutschen Export ungeheure Dienste geleistet. Dreissig grosse deutsche Dampfschiffe haben die Tätigkeit des österreichischen Lloyd in der Levante vollständig verdrängt, obwohl der Lloyd von der österreichischen Regierung ausgiebig subventioniert wird.'4 Da solche Berichte, die natürlich brühwarm dem Palais des Sultans und. der Hohen Pforte übermittelt werden, immerhin einen gewissen Eindruck hinterlassen — aliquid semper haeret —, so hat die Kreuzzeitung es für wünschenswert gehalten, sofort hiergegen Stellung zu nehmen in einem, wie es scheint, sogar von der Regierung inspirierten Artikel, der betitelt ist: „Gott schütze Deutschland vor seinen Freunden." Es wird darin ausgeführt und belegt, dass das, ,,was das Pester Blatt über die friedliche wirtschaftliche Eroberung des Türkischen Reiches durch die Deutschen sich berichten lässt, phantastische Uebertreibungen mit einem Körnchen Wahrheit" seien. ,,Alles in allem genommen, sind die finanziellen und wirf-