Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1905)
- Article
- Deutsche Kolonisations-, Wirtschafts- und Kulturbestrebungen im türkischen Orient
- Date
- 1905-06-01
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 163 — Eisenbahn schon ausgebaut ist. All dies sind Erfolge des deutschen Kapitals, der deutschen Kraft und Arbeit. An der Bahn entlang kolonisieren die Deutschen in bedeutendem Masse. Die Beamten, die Ingenieure, das Personal der Eisenbahn ist deutsch, die deutsche Sprache hat die französische und italienische Sprache in Kleinasien verdrängt, ja sogar in Konstantinopel greift die deutsche Sprache mit reissendem Erfolg um sich. Es gibt zahllose Deutsche in der türkischen Armee, in der Gendarmerie, bei den Eisenbahnen, Schiffsgesellschaften, Banken, in den türkischen Aemtern, bei Handels- und Gewerbeunternehmungen, in Fabriken usw. Das ist eine deutsche Invasion nach der Türkei im wahrsten Sinne des Wortes." „Die Bagdader Eisenbahn eröffnet den Deutschen die Tore der überreichen kilikischen Ebene, die endlosen Baumwollenplantagen, die fruchtbaren Getreidefelder. Das reiche Mesopotamien, von/ dessen Fülle auch das Evangelium lobend Erwähnung tut, ist vom deutschen Kapital bereits okkupiert. Die Deutschen haben viele Konzessionen zur Ausbeutung der dortigen „bodenlosen" Petroleumquellen und Bergwerke erhalten. In Palästina, im heiligen Lande, wächst die Zahl der deutschen Ansiedelungen zusehends. Dort gibt es in grosser Menge deutsche „Tschiflik" (Landgüter), grosse Weinanpflanzungen, ja sogar auch deutsche Dörfer. Der gut behandelte palästinische Wein konkurriert schon mit den besten türkischen, griechischen und cyprischen Weinen und mit dem von Samos. An der Bagdader Eisenbahn errichten die Deutschen deutsche Industrieanlagen, Fabriken und siedeln sich in Landgütern an. Das im Jahre 1896 in Jerusalem begründete deutsche Bankhaus ist zu einem Aktiengeldinstitut umgestaltet worden, das zahlreiche Filialen in Vorder- und Kleinasien haben wird. Ein derartiges Institut besitzt keine einzige fremde Nation. Auch die reichen Kohlenbergwerke von Heraklea sind in die Hände der Deutschen gelangt. Jetzt arbeiten die Deutschen daran, in Konstantinopel eine grosse deutsche Bank zu gründen, deren Filialen in erster Linie die asiatische und dann die europäische Türkei mit deutschem Kapital überschwemmen sollen. Zu diesem Zweck sind vor nicht langer Zeit mehr als hundert deutsche Kapitalisten, Grossindustrielle und Grosskaufleute in Konstantinopel eingetroffen, die die dortigen Verhältnisse studierten und sich über ganz Kleinasien zerstreuten, um die deutsche Ansiedelung, die Plazierung des deutschen Kapitals mit Erfolg fortzusetzen." l*