Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- Die jüdischen Wohltätigkeitsanstalten Jerusalems
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 138 (sequence 4)
- Language
- German
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- 138 — wohnt. Sie hatte anfangs eine Schule im eigenen Hause, die aber seit der Vereinigung mit der Lämel-Schule aufgegeben wurde. Letztere, die in einem gemieteten Lokale untergebracht war, hat 1903 ein eigenes Haus bezogen, welches zu den schönsten Gebäuden Jerusalems zählt. Beide, Schule, wie Waisenhaus, hatten seitens der Chassidim grosse Kämpfe zu bestehen. Sie wurden in den Cherem getan, welcher von Zeit zu Zeit erneuert wird. Damit aber nicht genug. Um die sog. „Herzbergs Schola" entbehrlich zu machen, errichtete Rabbiner Diskin, schlechtweg der Brisker Raw genannt, auch seinerseits ein Waisenhaus. Es fanden sich dafür bald auch Gönner in so beträchtlicher Zahl, dass es heute 200 Zöglinge beherbergt und daran schreitet, ein eigenes Haus, für eine noch grössere Anzahl berechnet, zu bauen. Darin sollen auch Cheder und Melamdim untergebracht werden. Das Terrain ist bereits erworben. Vor drei Jahren eröffneten auch einige sephardische Chachamim ein Waisenhaus mit 20 Kindern, mit dem es auch allmählich vorwärts geht. . Die Alliance-Schule, 1882 von Nissim Behar ins Leben gerufen, zerfällt heute in eine Handwerker- und eine ganz gesonderte, von einem tüchtigen Pädagogen, geleitete Knabenunterrichts-Schule. Erstere mit einem aus 50 Zöglingen bestehenden Internat, beschäftigt gegen 100 Schüler in folgenden Werkstätten: Bildhauerei und Zeichenschule, Kupferschmiederei, Tischlerei, Drechslerei, Eisengiesserei, Eisenschmiederei, Weberei und Haarnetzflechterei. Beide letztere sind Schöpfungen der J. C. A. Die Schule, verbunden mit einem Kindergarten, beide in einem Prachtbau untergebracht, ist berechnet für 1000 Schüler, zählt gegenwärtig nicht mehr als etwa 400, die sich, im Gegensatz zur Lämel-Schule, zum grössten Teil aus Sephardim zusammensetzen. Interessant ist es, dass bei Eröffnung dieser Anstalt viele Lernbegierige sich wohl zum Schulbesuch meldeten; für die Werkstätten aber keiner. Herrn Behar, der Leiter beider Anstalten war, brachte dies nicht in Verlegenheit. Er traf die Verfügung, dass jeder Schüler zugleich ein Handwerk erlernen müsse. Ein halber Tag war nun dem Lernen, und der zweite der Arbeit gewidmet. So bürgerte er allmählich die Arbeit unter seinen Landsleuten ein.