Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- Die jüdischen Wohltätigkeitsanstalten Jerusalems
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 137 (sequence 3)
- Language
- German
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— 137 - ist auch ihre Gerichtsbarkeit. So gibt es gegenwärtig ein chassidisches und ein aschkenasisches p rro. — Ein ' erfreulicheres Bild bieten die Wohltätigkeitsanstalten. ScImIen ünd -r^« -1 . . _ 0 Waisenhäuser. Die älteste unter ihnen ist die Lämel-bchule, gegründet von Frau Elisa Herz geb. von Lämel, welche Dr. L. A. Frankel 1857 ins Leben rief. Seit 1887 mit dem deutsch-jüdischen Waisenhause vereinigt, nahm die Schule, die bis dahin nicht recht gedeihen wollte, einen ungeahnten Aufschwung. Trotz Bann der Chalukahleiter zählt sie heute gegen 180 Schüler. 1904 gliederte sich ihr ein Lehrerseminar an, welches vom Hilfsverein der deutschen Juden unterhalten wird. Das Waisenhaus ist eine Schöpfung des Professors Graetz. In den siebziger Jahren bereiste er gemeinschaftlich mit dem ebenso gelehrten wie um die Förderung gemeinnütziger Zwecke verdienstvollen M. Gottschalk Lewy (gest. Berlin 1893) das heilige Land. Der Zustand der Gemeinden war erschreckend. Namentlich gebrach es vornehmlich an den nötigen Gemeindeinstitutionen, wenngleich die Chalukahgelder damals reichlicher flössen als heutzutage. Jüdische Kranke suchten in der Regel fremde Hospitäler auf, während elternlose Kinder sich einfach in den Strassen umhertrieben, bis sie schliesslich von der Mission aufgelesen wurden. Während nun zugunsten der ersteren der damalige Würzburger Raw bereits einen Aufruf erlassen hatte, machten es sich die beiden genannten Herren zur heiligen Aufgabe, für die letzteren zu sorgen. Und ihre Bemühungen, unterstützt von dem für alles Edlere sich so leicht begeisternden Rabbi J. Hildesheimer 6"ü und ähnlichen namhaften Persönlichkeiten, trugen die schönsten Früchte. Schon anfangs der achtziger Jahre konnte an die Eröffnung, allerdings mit nur erst vier Zöglingen, geschritten werden, welcheZahl unter der Leitung Dr. Herzberg's, Verfassers der ,,Familienpapiere", bis auf siebzehn gestiegen ist. 1884 erlangte der Verein, der sich zu diesem Zwecke unter dem Namen ,,Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina" gebildet hatte, die Rechte einer juridischen Person. Anfangs hatte der Verein seinen Sitz in Berlin, später siedelte er nach Frankfurt a. M. über, wo er sich noch heute unter dem Vorsitze des Rabbiners Dr. Horowitz befindet. Die meisten Mitglieder sind deutsche Glaubensgenossen. Das Lokal, erworben durch Dr. Herzberg, hat 1898, dank der Munifizenz der sei. Baronin von Hirsch, einen Ausbau erfahren. Die Anstalt hat Raum für 50 Zöglinge, ist aber aus Mangel an Mitteln bloss von 36 be-