Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- Abriss der Geologie Syriens
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 133 (sequence 5)
- Language
- German
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— 133 — scheide von ca. 1100 m vom Orontes entwässert wird. Mit der Bekä'a oder dem Tal von Coelesyrien erreicht der syrische Graben aber noch lange nicht sein Ende, sondern setzt sich — wenn auch in veränderter, nämlich seiner ursprünglichen Richtung — weiter fort bis über die Grenze Nordsyriens hinaus. Wie beim Uebergang zur Bekä'a die Richtung des Grabens und der begleitenden Gebirgszüge aus Süd-Nord in Südsüdwest-Nordnordost sich umlenkt, so ist das Umgekehrte an der Schwelle Nordsyriens der Fall beim Ueberschreiten der älteren Ouersenke von Horns. Das Ghäb oder mittlere Orontestal zwischen Dschebel el-'Ansärije und Dschebel Scheich Säbü hat wieder fast genau nördliche Erstreckung. Die früher hier zur Ablagerung gekommenen Süsswasserschichten mit Melanopsiden und Viviparen wurden durch diese an Südnord-Spalten sich vollziehenden Einstürze in mehrere Streifen zerrissen, nur der mittlere, breiteste nahm weiterhin die Ghäb-Ebene ein. Zwischen Kal'at el-Mudik und Dschisr esch-Schughr findet eine Teilung oder Gabelung des Grabens statt, ein seitlicher Graben mit den abflusslosen Sümpfen Rudsch und Bal'a zweigt sich in Nordost- Richtung vom Hauptgraben ab. Zugleich wird das Mass der Einsenkung in letzterem geringer. Der Boden des Grabens steigt bei Dschisr esch-Schughr an. Trotzdem ist es dem Orontesfluss gelungen, diesen höheren Talboden in tiefer Schlucht zu durchsägen, so über die Grenze des eigentlichen Syriens bis zur nördlichen Niederung el-Amk vorzudringen und das Ghäb-Becken zu entwässern. In diesen grabenartigen Einsenkungen des Ghör, der Bekä'a und des Ghäb, welche Syrien seiner ganzen Länge nach in zwei Teile zerrissen, fanden die Erdbewegungen der Pluvialzeit nur ihren prägnantesten, nicht aber ihren einzigen Ausdruck. Auch der westlich gebliebene Landstreifen wie der östliche erlitten bedeutende Veränderungen in jener Zeit. Eine geringe Zahl von mehr oder weniger einander parallelen Bruchlinien zerriss diese bis dahin einförmigen Hochländer oder breiten sattelförmigen Aufwölbungen in lauter langgestreckte Schollen. Namentlich das Küstengebirge sank längs tektonischer Linien nach Westen zur Küste, wie besonders nach Osten treppenförmig ein. Diese Einsenkung vollzog sich bald an wirklichen Brüchen oder Verwerfungen, bei denen der Zusammenhang der Schichten ganz zerriss, bald auch nur an Flexuren, d. h. plötzlichen Umbiegungen ohne Bruch. Im Südosten des Westjordanlands haben diese