Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- Abriss der Geologie Syriens
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 132 (sequence 4)
- Language
- German
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— 132 — und zunächst das Verhältnis von Festland und Meer von Grund aus umgestalteten. Schon gegen Anfang des Oberpliocäns entstand das Rote Meer als Folge eines grabenartigen Einsickerns der Erdrinde zwischen einander parallelen Bruchlinien. Die Gewässer des Indischen Ozeans drangen von Südsüdost her in diesen so geschaffenen Kanal ein, erfüllten ihn bis zu grösseren Höhen als heute und vermischten sich so über den Isthmus von Suez weg auf kurze Zeit sogar mit den Fluten des Mittelmeers. Auch letzteres stieg, wenigstens in Südsyrien, zu bedeutenden Höhen empor und überflutete die ganze heutige Wüste zwischen dem Isthmus von Suez und dem Gebirge Judäas, freilich nur so weit sie nordwestlich von der heutigen Hauptwasserscheide zum Wadi el-Arabah gelegen ist. Am Wadi el-Milh zwischen Chirbet el- Milh und Beer Seb'a beobachtete ich Ablagerungen jungmariner Sandsteine bis zur Höhe von 330 m über dem heutigen Meeresspiegel. Von hier an nach Norden nehmen diese marinen Küstenablagerungen allmählich an Höhe ab. Die teilweise von ihnen bedeckte westpalästinensische Küstenebene Schephela-Saron wird nach Norden immer niedriger und schmaler. Mit dem Vorsprunge des Karmel scheinen diese oberpliocän-altdiluvialen Ablagerungen an Palästinas Küste ganz zu verschwinden. Das syrische Land selbst wölbte sich in jener Pluvialperiode in breiten Sätteln parallel der Meeresküste empor, bis dann etwa gegen Ende des Pliocäns mehr oder weniger plötzlich die gewaltige Katastrophe der Zerreissung durch Spaltenbildung auch über Syrien hereinbrach, wie etwas vorher über das Rote Meergebiet und noch früher über das Niltal in Aegypten. Die Spalten, welche schon im Anschluss an den erythräischen Graben, von diesem in nördlicher Richtung abzweigend, den Golf von 'Akaba als zweiten Zipfel des Roten Meeres geschaffen hatten, rissen anscheinend ein wenig später noch weiter in ihrer Fortsetzung auf, und so entstand der grosse Talzug oder das Längentai des syrischen Grabens, der aber im Gegensatz zu diesem Golf niemals von den Gewässern des Meeres überflutet wurde. Eine Wasserscheide von über 200 m Meereshöhe schloss ganz wie auch heute das Ghor im Süden ab und gestaltete es so zum abflusslosen Binnenbecken. Im Norden wird der Jordangraben durch die stehengebliebene Scholle des Dahar el-Litäni von der Bekä'a getrennt, welche nach Süden vom Leontes direkt zum Mittelmeer, nach Norden jenseits einer flachen Wässer-