Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- Das Land der Philister
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 118 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 118 — ins Meer leitet. In der Bibel heisst er Bosor. Derselbe hat einen bedeutenden Neben fluss namens Es-Scheria, die Tränke, welcher aus der Gegend von Betdschibrin kommt. Alle diese Flüsse liefern bei starkem Winterregen gewaltige Wassermassen ins Meer, verursachen jedoch keine Ueberschwemmungen. Hört der Regen auf, so hören auch die Flüsse bald zu fliessen auf. Im Sommer führen sie kein Wasser. Das Land hat demnach von diesen Flüssen, weder Nutzen noch Schaden. Hören sie im Sommer nicht zu iiiessen auf, so verpesten die Pfützen, welche sich bilden, vielfach die Luft. Abgesehen davon ist das Klima gesund und die Luft rein. Müssen demnach die Bewohner auf Fluss- und Quellwasser verzichten, so leiden sie doch nicht Mangel an Wasser, nur müssen sie dasselbe durch Schöpfwerke aus dem Boden heraufholen. Die meisten Brunnen finden sich an der Hauptstrasse von Jaffa nach Gaza in Wadi Echnen, Jebna, Asdud, Medschdel, Gaza und Der el Belech. Im Binnenlande finden sich nur Dorfbrunnen, welche das nötige Trinkwasser liefern. Grundwasser findet man fast überall in einer Tiefe von 20—40 m, mag man graben, wo man will. In Der el Belech findet man bei 10 m Tiefe Wasser in Ueberfluss. Grund und Boden ist, abgesehen von den Sanddünen, durch und durch kultivierbar, Wüsteneien gibt es im Lande der Philister nicht, mögen auch auf Landkarten solche verzeichnet sein. Im Bezirk von Gaza ist lehmiger Boden vorherrschend, im Bezirk von Beer Seb'a dagegen ist der Boden mehr sandig. Die meteorologischen Verhältnisse sind günstig. Die Temperatur sinkt selten unter 6° Celsius. Schnee und Eis, Frost und Reif sind fast unerhört. Der Feldbau wird im Winter wahrend der Regenzeit betrieben, wobei ausserordentlich wenig Wasser verdunstet. Ist der Boden urbar gemacht, so fliesst das Wasser erst ab, nachdem sich der Boden gesättigt hat. Die Umgebung von Gaza hat gar keinen Abfluss ins Meer. Bei starkem Regen bilden sich flache Sümpfe, welche aber bald wieder austrocknen. Die grösste Sommerhitze übersteigt, vom Sirokko abgesehen, nicht 30° Celsius. Die mittlere Jahrestemperaturbeträgt 17° Celsius. 40 cm Regen gut verteilt, genügen, um eine gute Ernte zu erzielen. Die Bewohner treiben Ackerbau, Baumkultur, Viehzucht, Handel und Gewerbe. Man baut Winter- und Sommerfrüchte an; zu ersteren gehören Gerste auf sandigem Boden, Weizen, Linsen, Bohnen, Wicken auf lehmigem Boden. Die Sommer fruchte Durra und Sesam gedeihen nur auf lehmigem Boden. Grund und Boden in unmittelbarer Umgebung der bewohnten Orte ist Privateigentum, der Rest Dorf- oder Gemeindeeigentum. Das Gemeindeeigentum ist im ganzen Lande der Philister baumlos und wird unter den Berechtigten so verteilt, dass jeder dasselbe Stück Boden nie länger als zwei Jahre bebauen kann. Das Privateigentum wird grösstenteils zur Baumkultur und zum Gemüsebau verwendet. Am meisten Batimgärten, Weinberge und Gemüsebau findet man an der genannten Hauptstrasse von Wadi Echnen bis Chan Junes. Im Lande der Philister findet man Fruchtbäume aller Art, namentlich Olivenbäume, Palmen, Kaktushecken, Feigen-, Johannisbrot-, Aprikosen-, Mandel-, Aepfel-, Pflaumen-, Pfirsich-, Granat-, Orangen-, Zitronenusw. Bäume. Der Gemüsebau wird das ganze Jahr hindurch betrieben, nur müssen einige Gemüsearten im Sommer bewässert werden. Merkwürdigerweise gedeihen die Kohlköpfe im Lande der Philister nicht, wohl aber der Blumenkohl. Zwiebel und Knoblauch gibt es massenhaft. Die meisten Brunnen dienen nur zur Bewässerung der Gemüsegärten. Die Viehzucht steht im Dienste des Ackerbaues. Pferde, Esel, Kamele und Rinder, alles muss ackern