Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- Das Land der Philister
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 119 (sequence 3)
- Language
- German
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— 119 — •und dreschen. Daneben gibt es noch Luxuspferde, Schafe und Ziegen in Menge. Da Grund und Boden ausschliesslich dem Ackerbau dient, bleiben fast keine Weideplätze mehr übrig. Wenn es in der Bibel heisst, dass das Land Kanaan von Milch und Honig fliesst, so ist allererst das Land der Philister gemeint. Dennoch gibt es in diesem Lande keinen eigentlichen Wohlstand; Ursache davon sind die sozialen und politischen Verhältnisse. Hungersnot, Bettelei und Arbeitslosigkeit sind in diesem Lande fast unbekannt. Wer arbeiten will, findet Beschäftigung und Verdienst, freilich nicht viel, vielleicht nur einen Franken oder noch weniger täglich. Auswärtige oder gar Ausländer finden in diesem Lande keine Beschäftigung auf Kosten der Eingeborenen. Die Bevölkerung ist wenig zahlreich und steht auf niedriger Kulturstufe, wie die Orientalen überhaupt. Der Bezirk von Gaza wird fast nur von Fellachen bewohnt, welche in etwa 60 Dörfern wohnen, die grösstenteils aus Lehmhütten bestehen, da festeres Baumaterial im Lande selten ist. Der Bezirk Beer Seb'a wird, abgesehen von dem Dorf Beer Seb'a, nur von Beduinen bewohnt, die unter Zelten hausen. Abgesehen von Beer Seb'a, das erst seit lünf Jahren wieder aufgebaut wird, gibt es in diesem Bezirke nicht ein einziges Dorf. Die Bewohner des Philisterlandes stammen von den Philistern, Griechen, Römern, Arabern und den Kreuzfahrern ab. Die Zahl derselben beläuft sich auf etwa 200 000 Seelen, fast ausschliesslich Mohammedaner. Christen wohnen nur in Gaza und Beer Seb'a, vereinzelt auch in Medschdel, Asdud und Der el Belech. Handel und Gewerbe gibt es nur in Gaza, Medschdel, Beer Seb'a und Chan Junes, vereinzelt auch in anderen Dörfern. Ausfuhrhandel gibt es nur in Gaza; Ausfuhrartikel sind Gerste, Koloquinten, Wolle, Zitronen, Häute und dergleichen. Die Einfuhr kommt über Jaffa. Jerusalem bezieht aus dem Lande der Philister Hühner, Eier, Fische, Gemüse, Früchte. Die Esel ziehen beladen nach Jerusalem und kommen leer zurück. Abgesehen von der Strasse, welche Gaza mit der See verbindet, gibt es im Lande der Philister keine gebahnte Strasse; doch sind fast alle Wege fahrbar. Die Reede von Gaza wird nur im Sommer von Handelsdampfern besucht. Den Verkehr mit Jaffa besorgen Barken. In gewerblicher Hinsicht sind Töpferei, Färberei, WTeberei, Seifensiederei und Müllerei erwähnenswert. Das Land der Philister hat jetzt zehn Dampf- oder Gasmotormühlen, drei in Gaza, zwei in Beer Seb'a und fünf in Fellachendörfern, nämlich in Asdud, Medschdel, Feludsche, Kastine und Katra.1) Jüdische Kolonien sind bei Kastine und Katra. Die Ausländer, welche, abgesehen von den Juden, im Lande der Philister wohnen, kann man an den Fingern zählen. Nur vier Aeizte, eine Apotheke und ein Hospital sorgen für das leibliche Wohl der Bevölkerung, grösstenteils auf Kosten der anglikanischen Mission in Gaza. Das Land der Philister hat seit etwa 40 Jahren so etwas wie eine geordnete Regierung. In Gaza und Beer Seb'a regiert je ein Kaimakam mit Kadi und allen zu einem Kaimakamat gehörigen Behörden. In Gaza gibt es viele untätige Reserveoffiziere, aber wenig Militär. Etwas Militär findet man auch in Chan Junes als Grenzwache gegen Aeg3rpten. Der Landverkehr mit Aeg3rpten hat seit Einführung der Dampfschiffahrten fast ganz aufgehört und wird erst wieder beginnen, wenn eine Eisenbahn Asien und Afrika miteinander verbindet. Dann wird Gaza das Haupteinfallstor in das Heilige Land. Der Pierstellung dieser Bahn stehen einstweilen politische Hindernisse entgegen; aber schliesslich wird sie doch gebaut werden. "Letztere drei Mühlen in jüdischen Händen. D. Red.