Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- Das Land der Philister
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 117 (sequence 1)
- Language
- German
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PALAESTINA UND NACHBARGEBIETE. Das Land der Philister. Der „Kölnischen Zeitung-" entnehmen wir die nachfolgende interessante Schilderung der Gegend von Gaza. Diese Schilderung verrät einen ortskundigen und scharfblickenden Kenner (Missionar Gatt in Gaza?) der topographischen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Gebietes. Das Land der Philister ist allbekannt; schon die Schulkinder kennen das Heimatland des Riesen Goliath. Die Pilger, welche jetzt scharenweise das Heilige Land besuchen, betreten das Land der Philister nicht, können jedoch einen grossen Teil desselben überblicken, wenn sie von Ramie nach Sedsched fahren oder umgekehrt. Der Bahn zunächst liegt Aker, das alte Akkaron, eine der fünf Philisterstädte, mit einer jüdischen Kolonie1). Uebrigens können die Pilger sich auf der Fahrt von Jaffa nach Jerusalem einen Begriff vom Lande der Philister aus dem Anblick der Gegend von Jaffa bis Sedsched machen, das genau so aussieht. Das Land der Philister bildet den Regierungsbezirk Gaza, das eigentliche Palästina, von dem das ganze Heilige Land seinen heutigen Namen hat. Der Regierungsbezirk Beer Seb'a, welcher erst in neuester Zeit von Gaza abgetrennt worden ist und das in der Bibel Negeb genannte Südland umfasst, kann auch noch dazu gerechnet werden. Das Philisteiiand, die Ebene Sephela oder das Niederland der Bibel, grenzt im Norden an die Ebene Saron, im Westen an das Mittelmeer, im Süden an die sinaitische Halbinsel und im Osten an das Gebirge von Juda und die Gegend des Toten Meeres. Die Länge von Wadi Echnen dem Meere entlang bis an die ägyptische Grenze bei Raphah, dem alten Raphia, beträgt 18 Stunden, die Breite von Askalon bis Betdschibrin 8 Stunden und von Der el Belech bis zum Toten Meere mehr als 20 Stunden. Das Philisterland ist keine vollständige Ebene, sondern besteht aus flachen Mulden, die von niedrigen Höhen eingesäumt sind. Die Bibel erwähnt zwei solcher Höhen, nämlich den Berg Baal zwischen Akkaron und Jamnia und den Berg von Azotus zwischen Gezer und Azotus. Die Gelehrten zerbrechen sich die Köpfe über diese Berge. Die Sache ist jedoch ziemlich einfach. Der Berg Baal ist der LJöhenzug, auf dem el Moghar liegt, und der Berg von Azotus ist der Höhenzug, auf welchem Beschit, Barka und Jasur liegen. Diese und andere Höhenzüge erheben sich jedoch nur 30—50 m über das umliegende Land. Mehrere Flüsse durchströmen im Winter das Land der Philister. Zuerst begegnet uns von Norden an der Nahr Rubin bei Jebna. Derselbe führt das Wasser des Westabhanges des Gebirges Juda westlich von Jerusalem ins Meer. Bei Jebna wurde vor einigen Jahren eine prachtvolle Brücke gebaut. Bei Asdud treffen wir den Nahr Asdud, welcher ebenfalls die Niederschläge des Gebirges Juda westlich von Bethlehem dem Meere zubringt. Bei Asdud führt eine alte sehr breite Brücke darüber. Darauf begegnet uns der Nahr Herbia, welcher aus zwei Haup.iarmen besteht. Der eine, Nahr Simsim, kommt aus der Gegend von Betdschibrin; bei Der Esneid führt eine alte Brücke darüber; der andere, Wadi el Halib, umkreist die Gegend von Gaza und wurde vor einigen Jahren bei Bet Hanun überbrückt. Südlich von Gaza treffen wir Wadi Ghazze, den Fluss von Gaza, der aus der Gegend von Hebron kommt und alles Wasser von Südpalästina *) Die Kolonie Ekron oder Maskereth Batja. D. Red.