Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- Die Coethener Kurse für koloniale Technik
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
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— 103 — genossenschaften dort, wo unsere ungesunden Verhältnisse noch nicht bestehen, in neuen Kolonien. Der bekannte Bodenreformer Damaschke-Berlin sprach in dreistündiger Vorlesung über ,,Bodenreform und Kolonialpolitik". Er entwickelte die bekannten Lehren der Bodenreform unter geschickter Benutzung einiger instruktiver Fälle, die die Bodenspekulation und der Bauschwindel in den letzten Jahren gezeitigt hat. Er zeigte auch die bisherigen Erfolge der bodenreformerischen Bestrebungen auf dem Kontinent, wo zahlreiche Kommunen durch umfangreiche Bodenankäufe, durch die Einführung der Steuer nach dem gemeinen Wert und der Zuwachssteuer der Bodenspekulation ein Ziel zu setzen suchen. Besonders dankenswert sei die Verfolgung derartiger Bestrebungen dort, wo der Boden dem Staate nichts oder wenig koste, also in neugegründeten Kolonien, ein Gesichtspunkt, der ja für unsere palästinensischen Landankäufe längst in Betracht gezogen ist. Der Redner geisselte die in den deutsch-afrikanischen Kolonien beliebte Politik, die Steigerung des Bodenwerts zum Schaden einer gedeihlichen Entwicklung der Kolonien durch Landverkauf an die grossen Terraingesellschaften dem Grosskapital zu Nutze zu machen, und rühmte die bodenreformerische Politik des Deutschen Reiches in Kiautschou. Dr. Franz Oppenheimer-Berlin las drei Stunden über genossenschaftliche Kolonisation. Er erörterte die Entstehungsgeschichte des Grossgrundbesitzes, die Ursachen der Leutenot auf dem Lande und der Proletarisierung der Industriearbeiter. Er zeigte die Lebensunfähigkeit der kommunistischen Kolonien und die vielversprechenden Resultate der bisherigen Versuche, von der einfachen Gewinnbeteiligung der Landarbeiter bis zur landwirtschaftlichen Genossenschaft. Als das bei jeder landwirtschaftlichen Kolonisation anzustrebende Ideal stellte der Vortragende die Siedelungsgenossenschaft hin. Seine Ausführungen über harmonische und disharmonische Genossenschaften, über die psychologische Begründung des grundlegenden Gegensatzes zwischen industrieller und landwirtschaftlicher Genossenschaft, über die Gewinnbeteiligung am landwirtschaftlichen Betriebe werden die Leser dieser Zeitschrift aus Dr. Oppenheimers Artikeln im 1. Jahrgang genauer kennen. Wenn wir nunmehr zu den Vorträgen übergehen, die sich ausschliesslich mit Palästina bezw. dem Orient befassten, so sei zunächst der vierstündigen Vorlesung des Ingenieurs Kays er-