Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- Die Coethener Kurse für koloniale Technik
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2266000-2266015-2266020-2267310--0995-2267338- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 100 — In sehr fesselnder, vierstündiger Darstellung entwarf Prof. Schmitt-Berlin ein Bild von der Geschichte der deutschen Seemachts- und Kolonialmachtsbestrebungen seit dem 16. Jahrhundert, wie sie sich seit dem Zeitalter der Hansa, der Fugger und Welser bis zu den jüngsten Tagen entwickelt hat. Dem Zionisten, der diese höchst interessante Entwickelungsgeschichte verfolgte, mussten sich mannigfache Analogien mit unseren Bestrebungen aufdrängen. In ausführlicher Weise wurde berichtet, mit wie relativ geringen Schwierigkeiten und Opfern Indien, Texas und Kalifornien in preussische Hände hätten gelangen können, wie leicht sich damit Preussen an Stelle Englands zur ersten Seemacht hätte entwickeln können, wenn nicht die geringfügigsten Schwierigkeiten die Ausnutzung des günstigen Moments verhindert hätten, so dass die Frucht anderen Nationen später in den Schoss fiel. Hoffen wir, dass dieses Schicksal auf wirtschaftlichem Gebiet dem jüdischen Volk erspart bleibe, dass ihm nicht gewisse wirtschaftliche Möglichkeiten durch ihre verzögerte Inanspruchnahme verloren gehen, weil ihm andere, energischere Nationen zuvorkommen. Einen weit grösseren Raum nahmen die rein fachwissenschaftlichen Vorlesungen im Lehrplan ein, die sich mit den für die Kolonien, speziell für Palästina in Betracht kommenden technischen Fragen befassten. Dr. Jordan-Cöthen las vier Stunden über Pumpenbau und Bewässerung in warmen Ländern. Die Frage ist für die wirtschaftliche Zukunft Palästinas von um so grösserem Interesse, als die dort eines weiteren Ausbaues fähige Gemüse- und Obstkultur während der regenlosen Zeit unbedingt der Bewässerung bedarf, während auch die Trockenpflanzen (Baumwolle, Maulbeerbaum, verschiedene Obstbäume und besonders Futterpflanzen) die Berieselung dankbar hinnehmen. Zunächst erörterte Dr. Jo rclan die Verteilung der Niederschläge in Zeit und Menge, wie sie z. B. für Palästina zutrifft, weiterhin die für die Vermehrung des Wasservorrats zur Verfügung stehenden Methoden, die Verringerung der Abflussmenge und die Wiedergewinnung des durch Versickern verloren gegangenen Wassers, endlich die zur Wasserförderung dienenden Maschinen, die Schöpfwerke und Pumpen. Zum Schluss folgte eine Besprechung der Berieselungsverfahren und der Staubewässerung. Ingenieur Kayser-Cöthen besprach in vier Stunden die landwirtschaftliche Maschinen- und Kulturtechnik im Orient, wie er