Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- Die Coethener Kurse für koloniale Technik
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
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— 99 — bis zu Ende von 180—200 Hörern besucht, obwohl sie zum Teil 6 Stunden umfassten. Bei den übrigen Herren, die erst gegen Ende des Kurses zu "Worte kamen, betrug die Hörerzahl 50—80. Wir wollen im folgenden in gedrängtester Kürze eine Uebersicht über den Inhalt der Vorlesungen geben. Wir beginnen mit denjenigen, die sich mit Kolonisationsfragen im allgemeinen oder solchen, die sich wenigstens nicht ausschliesslich mit Palästina befassten. Dr. Föhr-Cöthen sprach über die Bedeutung der modernen Weltanschauung in der Kolonialpolitik (1 Std.). Er entwickelte den Kolonisationsgedanken aus der darwinistischen Weltanschauung und bewies logisch und historisch, dass der wichtigste Faktor für die Kolonisation, der durch natürliche Auslese über den endgültigen Erfolg entscheide, die Willensstärke und das Herrenbewusstsein sei, das sich auf eine abgerundete Weltanschauung, sei es die traditionell-religiöse oder die monistische, stützen müsse. Rechtsanwalt Heine-Dessau sprach über Ansiedelung und Kolonisation (2 Std.). Er legte den Wesensunterschied zwischen An- und Besiedelung fest und erläuterte diesen Unterschied an der Hand der Kolonisationsgeschichte. Hauptsächlich wies er, gestützt' auf historische Beispiele und auf persönliche Erfahrungen, auf die verschiedenartige Stellung des Kolonisten und des Ansiedlers in rechtlicher Beziehung hin. Korvettenkapitän Stubenrauch-Geuz schilderte in zweistündiger Vorlesung („Ueberseeische Verbindungen") die Entwickelung der deutschen Reederei und des deutschen überseeischen Personen- und Frachtverkehrs im Zusammenhang mit der Ent¬ Wickelung der Kolonialwirtschaft. Er besprach die spezifischen Vorteile der Dampf- und der Segelschiffahrt, besonders in Hinsicht auf die Wirtschaftlichkeit des Schiffahrtsbetriebes. Ingenieur Michenfelder-Cöthen (2 Std.) behandelte das Patentwesen und erklärte, was für den Ingenieur in den Kolonien von besonderem Interesse ist, die Aufrechterhaltung und Wirkung des gewerblichen Rechtsschutzes im Ausland. Kontreadmiral Dr. Boeters-Berlin sprach (1 Std.) über die deutschen Kolonien als Rohstofferzeuger für Wirtschaft und Industrie. Er behandelte die Gewinnung der tierischen, mineralischen und insbesondere der pflanzlichen Rohstoffe, sowie die Bestrebungen zur Veredelung der Produkte und zur Verbesserung der Produktionsbedingungen.