Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Die Lepra in Palästina
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 78 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 78 - den Juden in Jerusalem nicht vorkomme. Und Lortet schreibt 1880, die kompetentesten Leute hätten ihm berichtet, dass- Juden fast nie, sondern nur die Leute vom Lande, die Bauern,, nicht aber die Städter trotz der auch in den Städten herrschenden schlechten hygienischen Verhältnisse befallen würden. Auch 1902' wurde berichtet, dass die Insassen des deutschen Lepraspitals in Jerusalem sämtlich Araber: Fellachen und Beduinen seien, dass man aber von keinem einzigen Fall von Aussatz unter zugewanderten Europäern gehört habe. Einsler hat in den letzten Jahren mehrfach darauf hingewiesen, dass von dem europäischen Aerzte- und "Wartepersonal noch nie jemand in der Leproserie infiziert worden sei. Freilich wäre es voreilig, aus diesen Angaben Schlüsse auf eine spezifische Rassenimmunität zu ziehen; die vielfachen, hierfür in Betracht kommenden Verhältnisse sind nicht durchsichtig genug, da zwei andere Erklärungsmomente — Vererbung und schlechte hygienische Verhältnisse — zu berücksichtigen sind. Ebenso voreilig wäre es, die ungünstigen hygienischen Verhältnisse als ein gegenüber der direkterTUebertragung wichtigeres Moment hinzustellen. Denn beide Momente können insofern im Grunde identisch sein, als die ungünstigen hygienischen Verhältnisse die Möglichkeiten der Kontakt-Infektion vergrössern. — "Wenn der europäische Arzt das nosologische Gesamtbild Palästinas betrachtet, so bleibt allerdings sein Blick an den spezifischen Krankheiten Palästinas, so auch an der Lepra, haften; aber nur deshalb fesselt sie besonders sein Interesse, weil sie in unseren Breiten nur höchst vereinzelt vorkommt, und weil klinischer Verlauf und Anatomie der Krankheit ein höchst anziehendeswissenschaftliches Kapitel darstellen. Ebenso steht für den Laien die Lepra mit im Vordergrund des nosologischen Bildes. Infolge der im Nordosten Deutschlands vereinzelt auftretenden Leprafälle wird die allgemeine Aufmerksamkeit immer wieder auf diese Seuche gelenkt, tmd mancher dadurch angeregt, sich über den Verlauf der Krankheit zu informieren. Es gibt nun allerdings wenig Darstellungen und Bilder, die in gleicher "Weise wie die von den leprösen menschlichen Torsos geeignet sind, das Entsetzen grosszuziehen. Das Grauen vor dieser exotischen Seuche bewirkt nun, dass man, wenn man von dem Vorkommen des¬ Aussatzes in Palästina mit der grossen Erkrankungsfrequenz von mindestens 1/5000 hört, die Bedeutung der Seuche unwillkürlich weit überschätzt. Betrachtet man aber die Frage weder vom