Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Die Lepra in Palästina
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 77 (sequence 5)
- Language
- German
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— 77 — mehr durch Betteln ernähren kann, lässt er sich im deutschen Heim aufnehmen. Die Zunahme der Frequenz in den letzten Jahren wird indes als ein Symptom dafür angesehen, dass die Vorurteile der Araber im Schwinden begriffen sind. Der Zustand der türkischen Leproserien ist in den letzten Jahren keineswegs merklich besser geworden. Das erhellt schon aus der Angabe Kirchners (1900), dass in dem am Fusse des Berges Zion in der Nähe von Siloah gelegenen Leprahause 45 Kranke in sechs kleinen Zimmern untergebracht sind. Auch heute findet man noch ausserhalb Jerusalems aussätzige Bettler, die, ohne Anrecht auf Besitz, ausgeschlossen aus der Gesellschaft der Lebenden in den Felsenhöhlen vor den Toren der Stadt kauern (Tiburtius 1902). Auf Cypern wurde die Morbiditätsziffer in den vom Medicaldepartement alljährlich herausgegebenen offiziellen Berichten 1889 auf 50 bis 60 angegeben. Dann stieg alljährlich die Zahl bis auf 121 im Jahre 1898. Auch Abraham gab schon für 1891 100 Kranke an. Die Lepra herrscht dort vorzugsweise in den auf einer feuchten Ebene gelegenen Distrikten von Morfu, Lapethus und Kythräa. Es besteht eine griechische Leproserie. Die englische Regierung, deren ausgezeichnete Leistungen in der Sanierung der vor 1878 arg vernachlässigten Insel gerühmt zu werden verdienen, sorgt auch für die Ueberwachung und Isolierung der Leprösen. Dass besonders die armen Klassen von der Krankheit befallen werden, ist mehrfach von Aerzten bestätigt worden. Vielleicht besteht ein innerer Zusammenhang zwischen dieser und der bereits erwähnten Angabe Hirschs, dass die Lepra in Palästina zumeist in kleineren Ortschaften, selten in grossen Städten vorkomme. Wort ab et (1873) behauptet, dass der Aussatz in grossen und grösseren syrischen Städten mit den allerseltensten Ausnahmen kaum vorkomme, dass man ihn meist in Dörfern, besonders im Gebirge, finde. Weiterhin scheinen die Angaben über die Bevorzugung gewisser Rassen von Wert. Schon Langerhans (1870) teilt mit, dass die 25 Bewohner der schmutzigen türkischen Leproserie zu Jerusalem sämtlich Araber waren, dass aber auch das deutsche Lepraspital zu Jerusalem neun Araber beherbergeunter Europäern und Juden sei nach 'dem übereinstimmenden Urteil der dortigen Aerzte noch nie ein Fall von Aussatz vorgekommen. Auch Neumann, der die Lepra in Jerusalem für nicht selten hält, behauptet auf Grund einer 15jährigen Erfahrung und seiner Erkundigungen über frühere Zeiten, dass Lepra unter