Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Die Lepra in Palästina
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
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— 76 — Aussatz am häufigsten in den Tälern des Libanon und Antilibanon vorkomme, zumeist in kleinen Ortschaften, selten in grossen Städten. Die grosse Zahl der Aussätzigen in Jerusalem (auch Neumann berichtet 1877, dass der Aussatz in Jerusalem „nicht selten" vorkomme) erklärt Hirsch durch den Zuzug der Leprösen aus der Umgebung. In Hebron, Nazareth, Safed, Nablus kämen nur noch vereinzelte Fälle vor, ebenso in Beirut, Jaffa und anderen Küstenorten, wo der Aussatz überhaupt fast ganz unbekannt sei. Im. Gegensatz dazu berichtet eine spätere Arbeit (Lortet 1880), dass der Aussatz in Syrien in den südlichen, an Aegypten grenzenden Teilen endemisch sei, dass L. dagegen weder am Libanon, noch in der Ebene um Damaskus, noch am Toten Meer je einen Fall gefunden ha;be. In jüngster Zeit (Sandrezki 1895) ist überhaupt kein Leprafall in Jerusalem zur Beobachtung gelangt. In Syrien und Palästina bestehen mehrere Leproserien, so in Jerusalem, Damaskus, Nablus, Hebron, Ramleh. Es herrscht die allgemeine Annahme, dass in den Lepraquartieren zu Damaskus, Cypern und Jerusalem auch Syphilitische untergebracht sind. Der Zustand der unter türkischer Verwaltungstehenden Leproserien ist ein erbärmlicher. Das Bild, das Langerhans 1870 von den innerhalb der Stadtmauer hart am Zionstor gelegenen Leprahütten entwirft, ist geradezu abstossend. Auch Lortet berichtet 1880, dass der Zustand der hinter der Omar- Moschee gelegenen Leproserie erbärmlich sei; auch in dem unter türkischer Verwaltung stehenden, an der Seite des Tales voil Kedron gelegenen Lepraspital leben die Kranken vom BetteL Dagegen haben die Christen in Palästina für eine menschlichere Versorgung der Aussätzigen manches getan. Schon Wortabet berichtet 1873 von dem wohltuenden Gegensatz, in dem das christliche Lepraheim in Damaskus zu den für Mohammedaner bestimmten 20 schmutzigen Leprahütten stehe. 1867 gründete eine deutsche Freifrau in Jerusalem, nicht weit vom Jaffator, ein kleines, aber wohl eingerichtetes Lepraspital in dem Bestreben, den Aussatz durch Isolierung der Kranken in Palästina auszurotten. Die Erfolge der Tätigkeit des Spitals, das heute von der Brüdergemeinde Herrenhut unterhalten wird, werden indes nach jener weit ausschauenden Richtung hin gering eingeschätzt, schon mit Rücksicht auf die mangelhafte Unterstützung, die diese radikalen Pläne bei der türkischen Regierung finden. Doch sind auch die Vorurteile, die die Eingeborenen der Spitalbehandlung^ entgegenbringen, hierbei in Betracht zu ziehen. Erst wenn das Leiden so weit fortgeschritten ist, dass der Kranke sich nicht