Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Die Lepra in Palästina
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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-wird kaum geleugnet werden können, da die Anwesenheit zahlloser Leprabazillen in den Sekreten ausser Zweifel steht; besonders wird das Nasensekret sowie der Eiter der geschwürig zerfallenen Knoten als Zwischenträger angeschuldigt. Doch möchten manche Aerzte einen grösseren Nachdruck auf die Vererbung als auf die direkte Uebertragung gelegt wissen. Ganz zweifellos ist der Einfluss der hygienischen Zustände, eine Tatsache, die gerade durch die aus Palästina vorliegenden Berichte gestützt wird. Die Frage der Aetiologie ist von entscheidender Bedeutung für die Prophylaxe. Je weniger man an die hohe Kontagiosität der Krankheit glaubt, desto geringeren Wert wird man der Isolierung der Kranken als einer zur Ausrottung der Krankheit führenden Massnahme beimessen können. Auf die Frage der Bedeutung der Isolierung kann hier nicht eingegangen werden. Weitere Kreise interessiert vielleicht die Mitteilung .zweier anscheinend konträrer historischer Tatsachen: dass die Lepra zur Zeit der Kreuzzüge in Mitteleuropa durch die Isolierungsmassnahmen ausgerottet wurde, und dass andererseits die Lepra in Japan in Abnahme begriffen ist, obwohl dort keine Isolierungsmassnahmen bestehen. Die Einrichtung der Leprorserien entspricht aber schon dem Wunsche der Eingeborenen. Lortet (1880) und Sandrezki (1895) berichten von der Ansteckungsfurcht der Eingeborenen, die die Erkrankten aus ihren Wohnsitzen vertreiben. Früher kam es sogar vor, dass Leute, die~an anderen Krankheiten, z. B. Syphilis, litten, von ihren Feinden der Lepra verdächtigt und daraufhin ausgewiesen wurden. Noch nach den jüngsten Berichten (Tiburtius 1902) ist die Furcht, der Eingeborenen vor dem Aussatz, den man als Schande betrachtet, so gross, dass man die allernächsten Verwandten, die von der Krankheit befallen werden, aus dem Hause treibt, obwohl sonst gerade bei Arabern und Syrern der Familiensinn stark ausgeprägt ist. Die Behandlung der Kranken kann durch symptomatische Linderung der Beschwerden, sowie durch die operative Abkürzung •der Abstossungsprozesse sehr wertvoll sein, doch ist — wenn man von einem palästinensischen Bericht über angebliche Heilung von Lepra bei Kindern absieht — eine radikale Heilung wohl nie zu erwarten. Was die geographische Verteilung anlangt, so behauptet Hirsch in Zusammenfassung der aus den 50er bis 70er Jahren stammenden Berichte englischer und deutscher Aerzte, dass der