Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Die Stadtschule in Palästina
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 71 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 1× ep/1046078
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— 71 — dieser Unterricht nicht uniformiert werden dürfen und muss in Jaffa oder Haifa ein anderer sein als in Jerusalem, Safed oder Hebron. Der naturwissenschaftliche Unterricht weicht in der Stadt von dem in der Dorfschule erheblich ab. Auf dem Dorfe muss die Botanik viel intensiver gepflegt werden als in der Stadt. Dagegen ist hier mehr Nachdruck auf einen elementaren physikalisch-chemischen Unterricht zu legen. Besonders aber ist von allergrösster Wichtigkeit der Rechenunterricht, der in der Oberstufe direkt zu einem kaufmännischen und gewerblichen Rechnen führen muss. Auf das eingekleidete Rechnen ist ein besonders grosser Nachdruck zu legen. Um das Rechnen nicht zu mechanischer Gedächtnistätigkeit werden zu lassen, soll es beizeiten mit dem Unterricht in der Raumlehre in Beziehung gesetzt werden, und wir dürfen von einer Stadtschule für jüdische Kinder als Mindestmass die Kenntnisse der Planimetrie verlangen, mit Einschluss der Aehnlichkeit der Dreiecke. Hier kann ein Zuwenig eher schaden als ein Zuviel, während bei anderen theoretischen Fächern immer wieder als höchster Grundsatz das festzuhalten ist, dass es uns darauf ankommen muss, eine gute Volksbildung, aber keine schlechte Gelehrtenbildung zu erzielen. "Wenn wir schon bei der Dorfschule dem Zeichnen für die notwendige Entwickelung des ästhetischen Sinnes mehr Wert beilegten als das bisher geschah, so müssen wir seine Notwendigkeit noch viel mehr für die städtische Volksschule betonen. Denn ein Zeichner findet auch praktisch im Handel und zumal in allen Gewerken viel sicherer seine Existenz und sein Fortkommen als jemand, dem dieses Können versagt ist, das von eminent praktischer Bedeutung ist. Wer den jüdischen Stadtbewohner nicht von vornherein dazu. degradieren will, dass er mit fortschreitender Entwicklung des wirtschaftlichen Lebens durch sein Zurückbleiben auf einer niedrigeren Stufe, zum Fabrikarbeiter herabsinkt, der weiss den Wert zu ermessen, den das Zeichnen hat. Der Kaufmann, der nicht bloss Bücher führt, hat einen ungeheuren Vorsprung vor seinem Konkurrenten, wenn er zu zeichnen vermag. Wir denken hierbei in erster Linie an die Konfektion, nicht an den jetzt üblichen Kommissionsr und Zwischenhandel. Der Handwerker aber kann sich nur zum Kunsthandwerker entwickeln, d. h. sich vor der absolut sicheren Proletarisierung retten, wenn er Modelle und Muster durch, eigenes Handzeichnen, wenn nicht selbst zu entwerfen, so doch wenigstens