Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Die Stadtschule in Palästina
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 70 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
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— 70 — schauungsunterricht. Welche fremde Sprache zu unterrichten ist, hängt von den jeweiligen örtlichen Verhältnissen ab. So empfiehlt sich für Haifa das Deutsche, für Jerusalem das Englische, während für Jaffa jede der drei europäischen Hauptyerkehrssprachen den gleichen Wert haben dürfte. Im Hebräischen selbst ist ein grösseres Ziel zu erreichen. Diese Sprache ist uns Selbstzweck. Hier ist das Ziel fehlerfreie Beherrschung der Sprache. -Die Auswahl aus Poesie und Prosa, die im Laufe der Schuljahre zu geben ist, soll die Liebe zur Lektüre wachrufen. Aufsalz und Diktat sind zu pflegen, Gedichte müssen vorgetragen, Poesie und Prosa soll frei wiedererzählt werden. In hebräischer Sprache soll das Kind eine allgemeine literarische Bildung bekommen, die freilich sich in sehr engen Grenzen halten soll, dagegen soll die jüdische Literatur, dem kindlichen Verständnis angemessen, sehr intensiv gepflegt werden, wobei der Nachdruck auf die alte klassische Zeit und auf die moderne Blüte des Hebräischen zu legen sind. Hierbei ist nicht aus dem Auge zu verlieren, dass die hebräische Volkssciatle der Stadt zugleich als Unterstufe für eine zukünftige hebräische Mittelschule soll dienen können. Wenn auch der Unterricht in der Muttersprache im weitesten Sinne der Gemütsbildung dient, so soll dieses Bestreben eine Unterstützung finden in den andern Fächern, die den Kulturwissenschaften entnommen sind, vor -allem durch die Geschichte. Die Grundlage gibt hier die biblische Geschichte ab. Sie wird auf der Unterstufe in Biographien vorbereitet, ebenso wie in cler Mittelstufe die allgemeine Weltgeschichte. In der Oberstufe wird das Gegebene mit Neuem zu einem Ueberblick zusammengefügt, einesteils der jüdischen Volksgeschichte und anderenteils der europäischen Weltgeschichte. Dass der geographische Unterricht die Grundlage des historischen bleiben muss, ist selbstverständlich. In Städten wie Jaffa weist das Oertliche direkt darauf hin, von der Heimatkunde aus zur Geschichte überzugehen. Der Felsen auf dem die älteste Phönizierstadt lag, die jetzige Araberstadt, die türkischen Regierungsgebäude, die verschiedenen europäischen Dorfgebilde an und um Jaffa laden direkt zu historischer Betrachtung der Heimat ein, während kaum irgendwo mehr als in dem kleinen Palästina die geographischen Begriffe von Land und Wasser, Berg und Tal, Ebene, Düne, Reede, Bucht u. a. m. so leicht nach der Anschauung der Natur dem. kindlichen Verständnis nahe zu bringen sind. Mit Naturnotwendigkeit wird deshalb