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Altneuland · 1905-03-01 · Heft 3 (März 1905) · p. Seite 72

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 3 (März 1905)
Article
Die Stadtschule in Palästina
Date
1905-03-01
Page
Seite 72 (sequence 8)
Language
German
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— 72 nachzuzeichnen vermag. Also aus rein praktischem Grunde sollten die Juden Palästinas, die immer fürchten, dass ihre Kinder auf „unnützen Unterrichtsstoff" statt auf „Bildung" ihre kostbare Zeit verlieren, den Widerstand gegen den technischen Unterricht, insbesondere das Zeichnen, fallen lassen. In einem anderen Sinne gilt das Gleiche von der Kalligraphie und natürlich noch viel mehr vom Turnen, dessen Wert die jüdische Bevölkerung auch erst an der unter seinem Einfluss herangewachsenen Generation erkennen wird. Eine ganz besondere Wichtigkeit misst man mit Recht im modernen Schulwesen der Ausbildung der Handfertigkeit zu. Dieser Handfertigkeitsunterricht sollte in unseren Schulen mit besonders grossem Eifer betrieben werden. Er ist in der Stadtschule dasselbe, was in der Landwirtschaftsschule der praktische Unterricht im Landbau ist. Freilich ist er verschieden für Knaben und Mädchen zu gestalten, die wir zwar im allgemeinen entsprechend den Grundsätzen moderner Pädagogik in gemeinsamen Klassen unterrichten sollen, aber natürlich beim Handfertigkeitsunterricht und beim Turnen trennen müssen. Um den Schülern und Zöglingen der Anstalt das Fortkommen im Leben zu erleichtern, halten wir es für notwendig, in der Oberstute der Schule durchaus Stenographie und ganz besonders Buchführung als Unterrichtsfach einzuführen. Das sollte ein jeder verstehen. Grade der Gewerbetreibende, und im Orient auch meistens der Kaufmann, sind nicht in der Lage, Bücher zu führen. Um ihnen die Möglichkeit zu geben, später diese notwendige und gesunde Grundlage jedes geschäftlichen Lebens sich selbst zu geben, müssen wir das, in der Schule besorgen, da unter den jetzigen Verhältnissen im Orient kein Handwerker, aber auch kein Kaufmann auf seiner Lehrstelle Gelegenheit findet, sich mit der Buchführung vertraut zu machen. Die jüdische städtische Volksschule in Palästina hat also den Zweck, eine genügende Vorbildung für den Eintritt in das geschäftliche und gewerbliche Leben zu geben, sie soll den Verstand durch Mathematik und Naturwissenschaften, das Gemüt durch die Pflege der Muttersprache und der historischen Wissenschaften vervollkommnen. Sie entwickelt sich aus dem Bedürfnis der jüdischen Stadtbevölkerung des Landes und-soll dazu befähigen, eine bürgerliche achtbare Stellung in Palästina einzunehmen. Sie ist sich stets bewusst, dass sie niemals eine Gelehrtenschule werden kann und soll, und doch ist sie ein viel'

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