Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Die Stadtschule in Palästina
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 69 — nehmen als etwa eine Teigeszeitung. Die Kenntnis der Schrift und Sprache hat also von vornherein dieses Unterrichtsziel im Auge zu behalten. Der Schüler soll nur die moderne Schriftsprache, wie sie im amtlichen Verkehr und in den Zeitungen gebraucht wird, beherrschen lernen. Er soll einen arabischen Geschäftsbrief lesen und schreiben können. Dieses Ziel darf niemals überschritten werden. Der Versuch, die altarabische Literatursprache, die es ja in der Theorie noch heute ist, zu unterrichten, kann nicht dringend genug zurückgewiesen werden. Dagegen wird der Hinweis auf das Hebräische dem arabischen Unterricht nur förderlich sein. Anders verhält es sich hierbei mit Kindern, die im Elternhause die arabische Sprache als Muttersprache erlernt haben. Ihnen sind besondere Kurse des Arabischen zu erteilen, und zwar schon auf einer früheren Altersstufe. Es ist das aber auch die einzige Familiensprache, die neben dem Hebräischen zu berücksichtigen wäre. Denn das Ziel unserer Volksschule in der Stadt ist auch .das, zur Bekleidung von unteren Beamtenstellen zu befähigen. Deshalb haben wir auch als fakultativen Unterricht die türkische Staatssprache im engsten Rahmen vorgesehen. Für den Gewerbetreibenden, für den HandelsbefLissenen und auch für den kleinen Beamten ist zurzeit noch die Kenntnis einer europäischen Sprache und Schrift unentbehrlich. Nur soll diese Sprache nicht wie das Hebräische Bildungssprache sein. Wenn wir beispielsweise Englisch mehr als Deutsch und Französisch für die Sprache erachten, die diesem Bedürfnis am meisten entspricht, so liegt uns dabei fern,, an irgend eine englische Bildung zu denken. Der Schüler soll lernen, einen englischen Brief zu lesen und zu schreiben, soll besonders die englischen Zahlwörter gut erlernen und imstande sein, die Gegenstände, die ihn im Handelsteil einer englischen Zeitung angehen, genau zu verstehen. Ob er jemals im englischen Unterricht die Namen Shakespeare oder Milton hört, soweit nicht der hebräische Unterricht in Geschichte und Literatur dazu führt, ist sehr gleichgültig. Ja, es wäre nicht einmal erwünscht, wenn auf einer jüdischen Volksschule eine fremde Literatur anders als in Uebersetzungen den Schülern bekannt würde. Denn dieser Sprachunterricht ist im Gegensatz zur Muttersprache wohl Werkzeug und Mittel zum Zweck. Dagegen empfiehlt es sich als Notwendigkeit, dass der fremdsprachige Unterricht, soweit er sich als notwendig erweist, in der fremden Sprache erteilt wird, und zwar ebenfalls als An-