Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Die Stadtschule in Palästina
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- 68 — der Buntheit und der scheinbaren Ordnungslosigkeit doch die orientalischen Städte weniger komplizierte Formen darbieten als die gleich grossen europäischen Städte. Die Wichtigkeit des Spieles nicht bloss für die Erziehung, sondern in erster Linie auch für die Entwickelung der Muttersprache ist bisher nicht genügend erkannt, und es zeugt von einem gewissen Mangel an psychologischem Verständnis auf unserer Seite und an feinerem Sinn für das Künstlerische in der Erziehung, dass wir zu wenig- Wert dem Märchen beilegten. Wir sollten uns darüber klar sein, dass es nur die Furcht vor dem eigenen, in Phantasmen und Phantomen sich ergehenden Geist ist, die von manchen Seiten her vor der Sage und dem Märchen warnt, die mehr dazu angetan sind, die Muttersprache künstlerisch zu formen als irgend etwas anderes. Diese Muttersprache ist eben nicht als Werkzeug zu unterrichten, sondern als Selbstzweck. Deshalb muss man von Tatsachen ausgehen und von ihnen aus erst zu den Abstraktionen kommen. Die Sprache selbst ist eine solche Tatsache, sie muss deshalb gebildet und gepflegt werden. Die Grammatik ist erst eine Abstraktion von ihr, die darum erst zu behandeln ist, wenn das Kind eine höhere Stufe in der Sprache erlangt hat. Die Bildung der Sprachempfindung muss ihr vorausgehen. Die hebräische Sprache muss die Unterrichtssprache sein für alle Fächer, deren Gegenstand nicht aus sich selbst heraus eine andere Lehrsprache fordert. Das ist aber nur der Fall bei dem fremdsprachlichen Unterricht, der auf einer höheren Stufe der Stadtschule, so wie die Verhältnisse im Orient heute noch liegen, keineswegs zu entbehren ist. Es ist selbstverständlich, dass die jüdische Stadtbevölkerung im arabischen Orient der Kenntnis der arabischen Sprache nicht ganz entraten kann. Soviel ihr davon im Gespräch notwendig ist, ergibt sich für sie aus dem Um gange, und wohl jedes Kind lernt spielend auf den Strassen der Stadt so viel davon, dass es sich später im Marktverkehr verständigen kann. Aul Grund dieser vorhandenen Kenntnisse kann die Schule aufbauen. Sie wird den Zöglingen von der Altersklasse von 11—12 Jahren ab die arabische Schrift und die ersten notdürftigen Elemente des gebildeten Arabisch beibringen, ohne sie allzusehr anzustrengen. Aber sie soll sich stets bewusst bleiben, dass wohl kaum jemals auch nur ein einziges dieser Kinder dazu kommen wird, irgend einen anderen Teil der arabischen Literatur in die Hand zu