Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Die Stadtschule in Palästina
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
- Hebron 1× ep/1047559
- Safed 1× ep/1046078
- Tiberias 1× ep/1048138
OCR text
— 67 — hüten, in die Anschauungen xmd Gewohnheiten der Familie unvorsichtig einzugreifen. Dagegen bleibt die Bildung der Schule eigenstes Feld. Und es kommt darauf an, festzustellen, in welchem Rahmen sie sich halten soll. Dabei bleibt natürlich alles das für die Stadtschule in Giltigkeit, was im allgemeinen von den jüdischen Schulen Palästinas gelten soll, und was wir zum Teil an dem Beispiele der Dorfschule bereits erörtert haben *) Bei unserem Lehrplan wird als der grösste Unterschied gegenüber europäischen Schulen gleichen Ranges auffallen, dass wir in allen unseren Schulen einem Fache keinen Platz einräumen, das sonst von sogar freisinnigen Männern für die Grundlage aller Bildung angesehen wird, nämlich dem Religionsunterricht. Es liegt das daran, dass wir Juden keine Dogmatik und Symbolik unseren Kindern zu unterrichten haben, und dass die sonst im jüdischen Religionsunterricht gegebenen Gegenstände bei uns zum Teil als Sprachunterricht und Geschichte erscheinen, während der ethische Grundgehalt und die jüdische Weltanschauung im ganzen Schulplan zum Ausdruck kommen. Denn wenn wir ausdrücklich betonten, dass die Erziehung eine allgemeine menschliche sein soll, so muss die Bildung eine durchaus jüdisch-nationale sein. Damit ist aber die Sprache der Bibel auch für die Stadtschule wie für alle anderen jüdischen Schulen von selbst gegeben. Sie ist die Unterrichtssprache. Aber auch sie muss schon von Anfang an anders unterrichtet werden, als das der Fall in der Dorfschule ist und als das in der höheren Mittel- und Gewerbeschule sein wird. Denn da die Sprache in erster Linie nicht aus der Literatur, sondern aus dem vorhandenen Vorstellungskreise der Schuljugend entwickelt werden soll, so kommt das Schulziel gleich bei der ersten Grundlage wesentlich mit in Betracht. Die Stadtschule ist aber für die zum grössten Teile handel- und gewerbetreibende Bevölkerung der Städte, wie Jaffa, Jerusalem, Hebron, Haifa, Tiberias und Safed bestimmt. Die Sprache hat also den Zweck, die Umgangs- und Bildungssprache einer Bevölkerung zu sein, die in der Stadt ihr Leben führen wird. Für diesen Sprachunterricht ist die Anschauungsmethode das allein Gegebene. Aber zu dieser Anschauung ist das Bild und überhaupt das Kunstprodukt erst dann heranzuziehen, wenn das Anschauen der Naturgegenstände nicht mehr ausreicht. Dabei kommt erleichternd in Betracht, dass trotz *) Siehe „Altneuland" Jahrg. I, 1904, No. 3,