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Altneuland · 1905-03-01 · Heft 3 (März 1905) · p. Seite 66

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 3 (März 1905)
Article
Die Stadtschule in Palästina
Date
1905-03-01
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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— 66 — das sich eben dem Einfluss der jüdisch-deutschen Mundart, die es zum Teil umgibt, nicht entziehen kann. Das Lehrerseminar, das seit April 1904 bei der Lämmelschule eröffnet sein soll, dürfte darunter nicht minder leiden. Dazu kommt, dass seine Lehrer ja nicht mehr aus sich heraus ihren Zöglingen an Kenntnissen und pädagogischer Bildung geben können, als sie selbst besitzen. Von dieser Seite kann also auch keineswegs die Gesundung, ja nicht einmal fruchtbringende Anregung kommen. In der Jaffaer Schule, die zu verschiedenen Zeiten sehr verschieden war, und die jetzt wohl in der gewöhnlichen Volksschule der Allianz gelandet oder versandet ist, war alles zu sehr einseitig auf die Erlernung der hebräischen Sprache als Sprache zugeschnitten. Das soll kein Tadel sein. Die Schule musste in ihrem Entstehen zuerst ganz Sprachschule sein, erst später hätte sie daran gehen können, Bildungsanstalt in hebräischer Sprache zu werden. Inzwischen waren ihr die materiellen Mittel ausgegangen. Solange sie aber die hebräische Schule war, trat der einseitigen Erlernung der Sprache gegenüber alles andere in den Hintergrund. Man war eben jüdisch-national und wollte Hebräer heranbilden. Dagegen trat der Zweck der Erziehung gegenüber dem nationalen und sprachlichen Element gänzlich zurück. Wenn nun auch die Schule für die Erziehung dem Elternhause gegenüber immer erst in zweiter Linie kommt, so kommt doch für die Schule die Erziehung in erster Reihe, freilich in anderm Sinne als das Haus. Diesem hat es nicht als Konkurrenz entgegenzuwirken, sondern ihm ergänzend zur Seite zu stehen. Die Bildung dagegen muss ausschliesslich von der Schule vermittelt werden, wenn sie auch selbstverständlich dort, wo ererbte Bildung in der Familie vorhanden ist, einen ganz anderen, festeren Untergrund für ihren Bildungsaufbau vorfirfdet. Das Ziel der Erziehung ist die Freiheit mit gleichzeitiger Hingabe an die allgemeinen Interessen, es ist die Selbstachtung unter völliger Achtung der andern. Nur wenn man dieses Ziel klar und deutlich vor Augen hat, werden die Anforderungen der Schule an Fleiss und Pflichttreue nicht in Strebertum, die Freiheit nicht in Ueberhebung, Höflichkeit und Gehorsam nicht in Kriecherei und Sklaventum ausarten. Jeder Schüler soll dauernd zu Wahrheitsliebe und Gerechtigkeit erzogen werden, Rechthaberei und Lügenhaftigkeit sind systematisch und dauernd zu bekämpfen als die Grundübel jeder Erziehung. Darüber hinaus soll die Schule nicht in die Rechte des Elternhauses eingreifen und soll sich wohl

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