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Altneuland · 1905-02-01 · Heft 2 (Februar 1905) · p. Seite 55

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 2 (Februar 1905)
Article
Die Kolonisation von El-Arisch
Date
1905-02-01
Page
Seite 55 (sequence 6)
Language
German
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— oo — Zeiten die MündungvE"/.pr;yjj.a verstopft war, und Plinius beschreibt sie als modica palus; sodann, in einem uns näherliegenden Zeitalter, während der napoleonischen Kriege in Aegypten lag sie trocken; 1879 ein See, welcher sich bei Hochflut füllte, 1880 hoch infolge des aus zwei Mündungen zufliessenden Wassers, 1887 hinwiederum trocken; heute immer noch eine weite fischreiche Lagune. Gegenwärtig bezieht die Regierung vier- oder fünfhundert ägyptische Pfunde jährlich für die Konzessionen zur Fischerei; die Araber, welche sich damit befassen, bedienen sich des einen und anderen primitiven Mittels, um den Zufluss des Meeres offen zu halten. Aber sobald diese Verbindung durch fortgesetzte Arbeit gesichert sein wird, wird der Bardauil ein ungeheurer natürlicher Fischbehälter werden, und die in der Umgebung nach modernen rationellen Methoden ausgeübte Fischerei, das Einsalzen und der Fang, wird einen Jahresgewinn von einigen Millionen Francs und einer zahlreichen Fischerbevölkerung die Subsistenzmittel gewähren. Somit ist dieses Gebiet, welches wir die Wüste nennen, keineswegs trocken oder unfruchtbar oder unbewohnbar: vielmehr zeigt sich jetzt, wo die ägyptische Regierung das öffentliche Leben verwaltet und die Ordnung verbürgt, ein wachsendes Bestreben der Bevölkerung nach festen Wohnsitzen. Der Schutz des Eigentums und die Sicherheit der Person im Schatten der Fahne des Khedive würden die Stämme, welche sich in fortwährendem Kriege befanden, dazu bringen, in Eintracht zu leben, und der Fellache wird als ruhiger Landbebauer an die Stelle des nomadisierenden Beduinen treten nach dem gleichen Vorgange wie in Palästina und Aegypten.1) Die Bevölkerung von El-Arisch, welche 1879 bei zirka 2800 hielt, wurde 1899 auf ungefähr 4000 berechnet, und 1902 auf etwa 5000, worunter nur tausend Nomaden; im ganzen Gouvernement würden nach dem letzten Zensus (1879) 17 000 Individuen gewohnt haben. * * * Der hervorragendste Reisende durch das peträische Arabien, Edward Henry Palm er, schreibt, dass es nicht exakt ist, den Beduinen den Sohn der Wüste zu nennen, „da die Hälfte der Wüste ihm ihr Dasein verdankt, weil er einen grossen Teil des Landes, welches er bewohnt, öde und leer gemacht hat, indem er die fleissigen Bewohner von da vertrieb."2) Aber heute, wo noch so viele Striche *) Auch in einer neulich von dem Ingenieur A. H. Paoletti veröffentlichten Reisebeschreibung: La route d'el Kantarah ä El-Arisch et Rafaa in dem Bulletin de la Societe Khediviale de Geographie, Le Caire 1903 — fand ich diese Tendenz zu einer festen Ansiedelung bestätigt. In dem Gebiete zwischen El-Arisch und Palästina wohnt der Stamm der Suarki, welcher sich besonders dem Gerstenbau widmet — dem Sande zum Trotz und dank der häufigen Regenfälle. Ich muss indes bemerken, dass Paoletti in seiner kurzen Schlussnotiz: „und noch mehrere laut der von mir beigegebenen Karte", in Ungenauigkeiten verfällt. Es wäre wünschenswert, zu wissen, ob die Grundlagen für diese Karte aus eigener Beobachtung oder woher sonst entnommen worden sind, da die Angabe der Wasserstellen und alles andere von jeder anderen Karte abweicht. Der restliche Teil, welcher augenscheinlich der Carte de la Basse Egypte (Commission des Domaines, Caire 1897} entnommen ist, ist genau, wohingegen der Rest, wie mir deucht, der alten Karte von Jacotin (opera napoleonica) entstammt, welche auf flüchtigen und ungenauen Aufnahmen beruht und in bezug auf das, was ich als die Grenzen des Bardauil und der Küste ansehe, vollkommen falsch ist. Vgl. Admiralty Charts (Damietta to El-Arish 1856 corr. 1898) und Ascherson loc. cit., welche Beschreibung genau mit derjenigen, die mir Ali Salama Bey, ein Kenner der Oertlichkeit, machte, übereinstimmt. Paoletti schreibt dem Gouvernement El-Arisch eine Bevölkerung von 3000 Einw. zu, während der Zensus von 1897 deren 16 991 zählte — ferner einen Flächeninhalt von 86000 qkm, wobei er mindestens um das Doppelte übertreibt. Und über anderes will ich schweigen. 2) The Desert of the Exodus.

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