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Altneuland · 1905-02-01 · Heft 2 (Februar 1905) · p. Seite 54

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 2 (Februar 1905)
Article
Die Kolonisation von El-Arisch
Date
1905-02-01
Page
Seite 54 (sequence 5)
Language
German
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— 54 — innere Gebiet ist weniger bekannt, besonders das Hochplateau, von welchem sich die rechtsseitigen Zuflüsse von El-Arisch ergiessen; aber auch dort gehört der Charakter der Flora mehr der Steppe Mittelasiens als der Wüste an; die Steppe mit winterlichen Regenfällen ist hier stark entwickelt, und im Frühjahr bietet sie mit blühenden Kräutern geschmückte Weiden im Ueberfluss, woher sich die unter den Beduinen stärker verbreitete Beschäftigung mit der Viehzucht erklärt.1) Auch in derjenigen Zone, welche wir der Bodenbeschaffenheit nach Wüste nennen, finden sich nach den Regenfällen Gerstenfelder und zahlreiche Herden von Schafen und Ziegen bei guter Weide.2) Und an der Karawanenstrasse fand der Erzherzog Salvator3) ein Land, „prangend in der Schönheit des Frühjahrs, mit den Herden der Beduinen, die sich an dem frischen grünen Kraute, untermischt mit Primeln, sättigten". Den grössten Reichtum des Landes macht die Dattelpalme aus, und man darf annehmen, dass der Anbau dieser Pflanze in bedeutendem Masse fortschreitet, da 1879 der Erzherzog Salvator in den Wäldern von El-Arisch ungefähr 6000 Stück zählte — während heute 10- bis 12 000 davon sich vorfinden — und 1500 in den Oasen von Katia, wo heute die Steuertaxe auf gut 30 000, die 960 Eigentümern angehören, erhoben wird. Im Schatten dieses ausgedehnten Waldes weiden 2000 Kamele und 2000 Schafe.4) Und sicher ist der Anbau der Palme zu einer grösseren Entwickelung in jenem Gebiete bestimmt, da diese wunderbare Pflanze, die Spenderin unvergleichlicher Wohltaten, in salzigem und sandigem Boden gedeiht und ihren Reichtum in der Wüste schenkt, welche auf diese Weise jährlich einen Ertrag von 1500 Francs pro Hektar ergeben kann. Infolgedessen befasst sich auch El-Arisch mit der Ausfuhr von Datteln zugleich mit derjenigen von Trauben, Melonen und gesalzenen Fischen. Der Fischfang kann im Gouvernement El-Arisch eine unerschöpfliche Quelle des Lebens und der Arbeit bieten. Aber er ist eine bislang wenig benutzte und — auch von seiteil der ägyptischen Regierung — vernachlässigte Quelle. Die grosse Lagune, welche vielleicht ihren Namen von dem König Balduin von Jerusalem erhalten hat, El-Bardauil, ist ein ungeheurer natürlicher Fischbehälter. Der Erzherzog Salvator sagt in seinem mehrfach zitierten Werke, dass es in dem sich nach El-Arisch öffnenden Meere Ueberfluss an Fischen gibt, aber dass sich damals nicht mehr als 15 oder 20 Personen diesem Gewerbe widmeten; dahingegen befassten sich statt dessen viele Fischer mit dem Netzfange und der Einsalzung von Fischen im Bardauil, der nach der Erzählung eines Arabers, welcher von der Regierung keine Konzession erlangt hatte, reich an Meeräschen sein soll. Wenige Jahre nachher fand Ascherson die Lagune nahezu trocken und eine einzige Fischerfamilie daselbst nahe an der Einmündung in das Meer. Die Ursache dieser Erscheinung beruht darauf, dass der Küstenstreifen, welcher auf zirka 90 km Länge die Lagune vom Meer trennt, so schmal und von so geringer Erhebung ist, dass der durch die Nordostwinde herangewälzte Sand leicht die Mündung verstopft, aber ebenso leicht fällt es den aufgewühlten Wogen, sich wieder eine Furt zu öffnen und von neuem in das Becken einzubrechen. Während so Di oclorus Siculus uns erzählt, dass die Bctpaxpct von Sirbo einen Teil des Heereszuges des Artaxerxes verschlang, versichert Strabo, dass zu seinen J) Grisebach, op. cit. 2) Rycroft, loc. cit. 3) Erzherzog Ludwig Salvator, loc. cit. 4) A. R. Guest, loc. cit.

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