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Altneuland · 1905-02-01 · Heft 2 (Februar 1905) · p. Seite 53

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
2 (1905)
Issue
Heft 2 (Februar 1905)
Article
Die Kolonisation von El-Arisch
Date
1905-02-01
Page
Seite 53 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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- 53 — Süsswasserquelle befindet; das würde ein zu künftigen Nachforschungen ermutigendes Phänomen sein. Aber die ergiebigste Quelle in El-Arisch ist der Regen; das Land, welches durch den Meeressand und durch die Zerscheuermig der im Süden befindlichen Felsen einer vollständigen Versandung anheimfallen würde, hat diese Wohltat allen anderen ägyptischen Landstrichen voraus. „Es regnet hier mehr als im mittleren Delta; daher eine fast überschwellende Vegetation, die durch den Umstand begünstigt wird, dass sich im Süden von Hebron die Grenze befindet, wo die drei grossen Reiche der Flora unserer Erdhälfte sich begegnen: die Mittelmeer-Region, diejenige der arabisch-afrikanischen Wüste und die der zentral-asiatischen Steppen. Das Land El-Arisch ist ein wahres Paradies für den Botaniker; die Regenfälle gestatten die beduinische Kultur im Winter ohne Bewässerung; die Feuchtig'keit der Atmosphäre bekundet sich überall, sogar der Rasen ist mit Flechten bedeckt, und allerorten gibt es merkwürdige Pflanzen. Im September schmücken die Meerzwiebeln die Felder weit und breit mit weissen Blütendolden, und man sieht die alten, jetzt im Sande begrabenen Gärten, den Wein, die Granaten, die Feigen und den ganzen Erdboden, welchen der bewegliche Sand nicht bedeckt, ringsumher grünend."1) Die Nordküste des Gebietes gehört zum Bereiche der Mittelmeerflora; im Altertum erstreckte sich das Nildelta weiter nach Osten hin, und der Busen von Pelusium war berühmt wegen seines Reichtums an Lein und an Linsen; aber auch als der pelusinische und tanaitische Ami sich geschlossen hatten, behielt das Gebiet weiter die ägyptische Flora als einen Anteil an dem Klima und den Regenverhältnissen Aegyptens. Wenn man sich allmählich den Grenzen Palästinas weiter nähert, so begegnet man der einen und anderen Art, die nicht mehr ägyptisch ist, und kaum hat man den Wadi El-Arisch überschritten, so wird die Flora noch veränderlicher. Dieser Reichtum entspringt „neben dem Umstände, dass sich hier nahebei ein merkwürdiger Knotenpunkt der Verzweigung der Erdflora befindet",2) auch aus den ackerbaulichen Beziehungen zu Palästina. Der Beduine des peträischen Arabiens ist vollständig dem Ackerbau abhold, aber in dem Gouvernement von El-Arisch haben die Beziehungen zu den benachbarten Fellachen etwas Landbau und viele in Syrien gezogene Spezies, welche dem Boden Aegyptens fremd sind, eingeführt.3) Und die Reisenden beschreiben uns die um El-Arisch blühenden Gärten und die berühmten Gurken, die überaus zahlreichen Feigenbäume,4) die Rebenpflanzungen, die weisse Tafeltraube, die Gemüse (Knoblauch, Zwiebeln, Karotten. Tomaten), die Getreidearten (Gerste, Weizen, Mais);5) das zum Bau eines monumentalen Tempels angetan, bemerkt Ascherson richtig bei der Beschreibung eines Besuches an diesem Orte; aber ich glaube, die Annahme Greville Chesters, welcher die Oertlichkeit 1880 zwecks biblisch-archäologischer Forschungen besuchte, bestätigen zu können, dass die Reste des Tempels unter dem Sandhügel verborgen seien. Ali Salama el Bahraoui Bey versichertemir auf Befragen, daselbst behauene Steine, Amphoren und alte Münzen gefunden zu haben; damit ich mich von der Wahrheit seiner Angaben überzeugen könnte, bot er mir liebenswürdigerweise einen Platz in seiner nach jenem Striche abgehenden Karawane an. Die Exkursion sollte letztes Frühjahr stattfinden; dann wurde sie mehrere Male aufgeschoben, und ich musste nach Europa zurückkehren, indem ich noch einmal das Verlangen unterdrückte, das Gebiet zu besuchen und irgend eine Nachgrabung anzustellen. *) Sickemberger, ioc. cit. 2) Grisebach.La Vegetation du globe. Paris 1877. 3) Ascherson, P., Le lac Sirbon et le mont Casius. Bull, de lTnstit. Egypt., 1887. 4) Itinerary from Kantara to el-Arisch by A. R. Guest. Geograph. Joumal,March 1899. 5j »Die Karawanenstrasse von Aegypten nach Syrien," von Erzherzog Ludwig Salvator von Lorena. Prag 1879.

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