Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1905)
- Article
- Die Kolonisation von El-Arisch
- Date
- 1905-02-01
- Page
- Seite 52 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 52 — einander geschiedene Gebiete zerfällt; wie in anderen Ländern, hat auch hier die im Verhältnis zur Breitenausdehnung zu grosse Länge des Landes die Ivohäsionskraft vermindert, und die Bevölkerung hat sich, eines einheitlichen Zentrums beraubt und durch die Ungleichmässigkeit des Landes geschieden, in deutlich getrennte Gruppen geteilt." Das Gouvernement El-Arisch bildet einen Teil des südlichsten dieser Gebiete. Die gewaltige Kalkabdachung, welche sich wellenförmig zur Küste herabsenkt, wird vom Mittelländischen Meere durch einen schmalen Saum alluvialen Bodens und durch den grossen See Bardauil getrennt, den letzten gegen Osten aus dem Lagunenkranze, welcher der Grenze der Libyschen Wüste gegen Palästina hin folgt. Die eine und andere Hügelkette erhebt sich hier und dort, von ihrer Umgebung um so deutlicher abgehoben, je weiter wir nach Osten vordringen, bis sich endlich die Formen der letzten Vorfelsen des Hügellandes von Judäa erkennen lassen, welche allmählich gen Jerusalem hinaufsteigen. Das Wasser dieser Vorfelsen sammelt sich zu einem starken Wadi mit sehr weitem Becken und mit zahlreichen Zuflüssen, aber mit allerdings häufiger Trockenheit: dem Wadi El- Arisch. In seinem oberen Teile macht er kaum auf das Aussehen eines ständigen AVasserlaufes Anspruch, und auch nach Regenfällen verzehrt die starke Verdunstung und die grosse Dürre der Wüste das Wasser, ehe es den Unterlauf erreicht. Aber gegen den Ausfluss hin bringen es die Zuflüsse und die starken Regenfälle dazu, dass eine bescheidene, aber dichte Wassermenge zum Meere abfliesst, und da wird er ein bedeutender Fluss. Quellwasser fehlt in der Tat in dem Gebiet, und dies bildet das Haupthindernis für eine feste Kulturansiedelung. So bemerkt Sickemberger1) und fügt hinzu, dass man Brunnen gegraben und leicht Wasser gefunden habe, aber von bitterem oder salzigem Geschmack, so dass es unmöglich war, sich desselben zu bedienen. Das ist sicher eine ernste, aber vielleicht keine unüberwindliche Schwierigkeit; wenn das Gebiet besser bekannt wäre, so würden wir eine grössere Menge von Quellen, als man vermutet, aufzählen können. Eine bescheidene Anzahl von. Beduinen lebt in der Umgebung, und neuerdings, im Dezember 19U1, hat Major Rycroft2) bei seinem Besuche des Stammes, welcher das Hügelland von Moghara — eine vorher wenig bekannte Oertlichkeit — bewohnt, daselbst einen grossen Reichtum an Brunnen und Zisternen vorgefunden, wovon der grösste (Bir Moghara), welcher derart in den Felsen gegraben ist, dass nach einem Regen das Wasser der umgebenden Hügel dahin abfliesst, in jenem Augenblick nicht wehiger als 1800 Hektoliter enthielt. So fehlt es auch längs des Oasenweges von Aegypten nach Syrien nicht an Wasser; in der Umgebung der Oasen von Katia findet es sich überall in einem Umkreise von über 30 km, wenn man 2—4 m tief gräbt; an vielen anderen Punkten gibt es zahlreiche Quellen, bisweilen ausgezeichnete, wie z. B. zu Bir el Abd, Bir el Hag, zu Masaid. wenige Kilometer östlich von El-Arisch, welches von da seinen Vorrat bezieht. Es wurde mir versichert, dass in Ras Burun auf dem Küstenstreifen, welcher den Bardauil vom Meere trennt, nahe an dem Hügel, wo der Tempel des Jupiter Casius aufsteigt und wo Pomp ejus Magnus begraben liegt,3) sich eine 1) Sickemberger, E, Expose sommaire d'une reconnaissance faite le long de la Cote Egyptienne de la Mediterranee. Bull, de Flnslitut Egypt, 1892—93. 2) The mediterranean coast region of Egypt by Major Rycroft. „Geographical Journal" JXovember 1902. 3) Die Behauptung Strabos (Geogr., hb. XVI, C. 2, § 33), dass der Tempel des Jupiter Casius dcrt siih erhob, wo Pomp ejus begraben wurde, ist glaubwürdig; über die Identifikation als M. Casius erscheint ein Zweifel ausgeschlossen. Die Lage scheint nicht allzusehr