Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1905)
- Article
- Prof. Dr. K. Furrer vor 20 Jahren über die Besiedlung Palästinas durch Juden
- Date
- 1905-02-01
- Page
- Seite 38 (sequence 6)
- Language
- German
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— 38 - die Gegend bei Kades in Galiläa, den Südwestabhang des Karmel, die Hügellandschaft im Osten von Gaza. Noch bemerke ich, dass bei den nördlichsten Quellen des Jordan Asphalt gruben eines rationellen Betriebes warten, dass nach Angabe eines italienischen Reisenden im Karmel Kupfererze sich finden, dass das mit Salzen, Brom, Magnesium, Natrium usw. gesättigte Wasser des Toten Meeres eine chemische Ausbeutung lohnen würde. Die am Jordan und am See Genezareth gelegenen Ebenen würden sich für Kultur von Zuckerrohr und Baumwolle, von Tee, Indigo, Balsam in hohem Masse eignen. Im Gebirge könnte man einen ganz vorzüglichen Wein ziehen und, wie jetzt schon im Libanon geschieht, die Zucht der Seidenraupe betreiben. Der Export von Orangen, Zitronen, Oliven und Weizen ist schon gegenwärtig nicht unbedeutend, wie viel mehr, wenn einst die vielen Tausende von Hektaren brachliegenden guten Bodens rationell bewirtschaftet sein werden. Soll die Kolonisation gelingen, so bedarf sie grosser Kräfte an Geld und Menschen, eines einheitlichen Planes, einer vorausgehenden Prüfung aller Verhältnisse. Will man dieselbe ernstlich in die Hand nehmen, so sollte zunächst ein Komitee das Land bereisen, über die Rechte des Besitzes, über allfällige Servituten sich genau erkundigen, eine möglichst genaue Berechnung des Bodenankaufs, der notwendigen Ameliorationen usw. veranstalten. Im höchsten Interesse der Sache läge es, mit den arabischen Nachbarn von Anfang an sich möglichst freundlich zu stellen und zugleich ihnen durch die Grösse der Kolonie, durch die einheitliche Organisation und durch eine in jeder Beziehung tüchtige Lebensführung zu imponieren. Ohne Mut, Entschlossenheit, eisernen Fleiss, brüderliche Liebe wäre eine jüdische Kolonisation in Palästina zum voraus verunglückt. Im ferneren müsste man mit der Regierung einen Vertrag, betreffend die Steuern, schliessen und auf die Periode von mindestens zehn Jahren eine fixe Summe bestimmen, die Selbstverwaltung der neuen Dörfer sich ausbedingen. Hoffentlich wird man in Konstantinopel endlich einsehen, dass das Aufblühen eines von Natur so reichen Landes wie Palästina im grössten Interesse der Regierung selbst liegt. Herr Charles Netter1) hat von einer Kolonisation entl) Charles Netter, geboren etwa 1810 in Strassburg, war einer der fünf jungen Leute, welche den ersten Aufruf zur Gründung der Alliance Israölite Universelle unterschrieben. Netter war der Gründer und erste Leiter der Ackerbauschule von Mikweh-Israel. Er ging 1869 über