Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1905)
- Article
- Prof. Dr. K. Furrer vor 20 Jahren über die Besiedlung Palästinas durch Juden
- Date
- 1905-02-01
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
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- 36 — beide Gesteinsarten der Vegetation günstig. Das wegen seiner Oede besonders verrufene Westjordanland zählt doch 85 perennierende Bäche. Stundenlang bin ich dort durch üppigen Strauchwald gewandert. Spuren einstiger Kultur traf ich in ganz vereinsamten Gegenden. Doch noch grösseren Natursegens erfreut sich das Land im Osten des Jordans, wo auf einer Strecke von etwa acht Stunden zwischen Jarmuk und Jabbok elf Bäche von Fischen und Muscheln belebt sind, wo meilenweit dichter Hochwald sich hinzieht und die paradiesische Schönheit der gesamten Natur das Entzücken aller Reisenden hervorruft. Einst herrschte dort eine blühende Kultur. So gross war der blühende Wohlstand, class die Kunst in einer Menge von Ortschaften durch monumentale Bauten bewunderungswürdige Triumphe feierte. Indes wollen wir doch zunächst auf die Gegenden im Westjordanland, im eigentlichen Kanaan, hinweisen, die, dünn oder gar nicht bevölkert, den Anbau durch fleissige und intelligente Ansiedler reichlich lohnen würden. Da wäre nun in erster Linie das obere Jordantal zu nennen zwischen Teil el-Kadi und der Jakobsbrücke. Diese Gegend erfreut sich eines ausserordentlichen Wasserreichtums, aber es fehlt an der nötigen Kanalisierung,' so dass die Wasser stagnieren und bösartige Fieber erzeugen. Mit hinreichenden Geldmitteln Hesse sich aber hier ein Gelände von ungewöhnlicher Herrlichkeit gestalten. Dabei würde man zugleich bedeutende Wasserkräfte für Maschinenbetrieb gewinnen und könnte den Meromsee, der nur 6—7 m tief ist, trockenlegen; denn von Teil el-Kadi bis zu diesem See fällt die Talsohle 91 m, von da bis zur Jakobsbrücke 15 m. Hier beginnt nun vollends ein starkes Gefälle des Flussbeites, indem der Spiegel des nur 3y2 Stunden entfernten Sees Genezareth 195 m tiefer liegt. Würde man die Kanalisierung konsequent durchführen, so gewänne man viel tausend Hektar fruchtbarsten Bodens, und die Fieber würden aufhören, zumal, wenn man noch an geeigneten Stellen Eukalyptusbäume pflanzte. Kühle Winde von der Höhe des benachbarten Hermon her würden die Hitze des Sommers mildern und alle Pflanzen eines subtropischen Klimas in staunenswerter Fülle und Schönheit sich entfalten. Am See Genezareth liegen zwei fast gar nicht bewohnte, reichbewässerte Ebenen [Btecha1) und Ghuweir], wo in tropischer Es ist dieselbe Niederung, auf der gegenwärtig 16 russisch-j üdische Familien sich versuchsweise als Pächter niedergelassen haben. Vergl. die Angaben im Artikel Dr. S. Soskin's „Zum neuen Jahr«, No. 1, 1905. D. Red.