Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1905)
- Article
- Prof. Dr. K. Furrer vor 20 Jahren über die Besiedlung Palästinas durch Juden
- Date
- 1905-02-01
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
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— 35 - Aber sind denn nicht die Juden ein Volk von lauter Krämern und Kaufleuten geworden, und haben solche in Palästina irgendwelche Aussicht auf eine gesicherte Existenz? Darauf antworten wir: Tausende von Juden sind bereit, den Pflug dortzulande in die Hand zu nehmen, als Ackerbauer sich anzusiedeln ganz nach der Väter Weise. Und jüdische Energie hat längst gezeigt, dass, wenn ideale, religiös-patriotische Interessen mit ins Spiel kommen, sie das Grösste vermag. Aegyptische Despotie wollte einst die Israeliten zum Ackerbau zwingen. Sie wanderten aus, um freie Hirten zu bleiben; aber vom Glauben ihres Führers Moses begeistert, eroberten sie sich ein Heimatland und wurden aus freiem Willen ein Volk von Ackerbauern. Jahrhunderte später konnten Babylons üppige Gefilde und der Reichtum der grossen Weltstadt sie nicht hindern, mit Weib und Kind durch die syrische Wüste in die alte Heimat wieder einzuwandern. Aus jener Zeit datiert das Lied: „Als der Herr die Gefangenen Zions wiederbrachte, so waren wir wie die Träumenden. Da war unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Jauchzens. Der Herr hat Grosses an uns getan, des waren wir fröhlich." Wir sind daher überzeugt: Wenn die jüdischen Einwanderer sich sagen, dass sie eine für ihr ganzes Volk hochbedeutsame Aufgabe zu lösen haben, dass sie als Pioniere dastehen zur Gewinnung neuen Heimatsglückes für Israel, zur friedlichen Wiedergewinnung uralten Heimatsrechtes, dann werden sie mit ganzer Hingebung Ackerbauer werden, dann werden sie vor den Schwierigkeiten bäuerlicher Arbeit in subtropischem Klima nicht verzagen, dann werden sie mit ihrem Dichter sich trösten: „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten." Doch ist das heutige Palästina für Anlegung von Bauern- Kolonien überhaupt geeignet, ist es nicht ein ausgemergeltes, verödetes, armes Land, in dem eine dünne Bevölkerung kümmerlich genug sich durchhilft? Allerdings ist die Bevölkerung dünn, aber das Land an Schätzen der Natur so reich, dass es noch Millionen fleissiger Bewohner besten Unterhalt bietet. Dem an grüne Fluren und Berge gewöhnten Auge des Nordländers macht Palästina durch den vorherrschend gelblichen Ton all seiner Landschaften zunächst den Eindruck eines öden Landes. Wer aber, wie ich, dasselbe nach Nord und Süd, Ost und West zu Fuss durchwandert hat, der muss zu dem Schlüsse kommen, dass es zum grössten Teil einen überaus fruchtbaren Boden besitzt. Kreidekalk oder Basalt bildet den Untergrund,