Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 2 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1905)
- Article
- Prof. Dr. K. Furrer vor 20 Jahren über die Besiedlung Palästinas durch Juden
- Date
- 1905-02-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
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— 34 — der Freunde Israels sehr geteilt. Ich möchte sie mit einem entschiedenen „Ja" beantworten. — Die Juden haben seit vielen Jahrhunderten mit unversieglichem Schmerz den Besitz des Vaterlandes entbehrt. So vieles, was an ihnen seltsam und herbe erscheint, was ihnen die Verschmelzung mit anderen Völkern erschwert hat, geht in seinem innersten Grunde auf das Gefühl der Heimatlosigkeit zurück. Kein Volk hat im Sturm der Jahrtausende eine heissere Liebe zum Vaterland und eine mächtigere Sehnsucht nach ihm bewahrt als das israelitische; darum kann auch kein Land dem Juden das Vollgefühl der Heimat erwecken, wie sein geweihtes Heimatland. Mögen den jüdischen Einwanderer noch so viele Entbehrungen und Mühsale erwarten, das Bewusstsein, auf heimischer Erde wieder festen Fuss zu fassen, wird ihre Kraft aufrechthalten. Die Bilder, mit denen die Dichter, Propheten, Gesetzgeber und Geschichtsschreiber ihrer heiligen Schriften sie längst vertraut gemacht haben, treten ihnen hier in lebendiger Gegenwart entgegen. Tausend Erinnerungen an der Väter glorreiche Zeiten grüssen sie hier zu Berg und Tal. Die Monumente sind meist in Staub gesunken, aber es sind noch dieselben Flüsse und Seen wie einst, derselbe tiefblaue Himmel, dieselbe reine transparente Luft, weit überwiegend auch dieselbe Flora eines subtropischen Klimas, wie die Ahnen sie schauten. Unter all diesen Eindrücken der ewig gleichen Natur muss ein ideales Heimatsgefühl die Seele mit süssem Frieden durchdringen. Die gegenwärtige Bevölkerung, unter der sich die Einwanderer ansiedeln müssten, ist in Sprache und Sitten mit Israel eng verwandt. Wem wäre nicht bekannt, dass Mohammed das meiste seiner Lehren und Vorschriften vom Judentume entlehnt hat, dass der Ruf von den Zinnen der Moscheen herab: „Es gibt keinen Gott ausser Gott", nur ein Widerhall ist dessen, was viele'Jahrhunderte früher für Israel erklungen: „Höre, Israel, der Herr unser Gott, ist ein einziger Herr?" Die Waschungen, die Gebete, die Beschneidung, das Verbot des Schweinefleisches, wie erinnern alle diese Vorschriften des Koran an uralte jüdische Sitten. Wo Völker bis in die innersten Tiefen ihres Wesens einander fremd sind, da kann sich leicht ein furchtbarer Rassehass entwickeln. Geschichtliche Tatsache aber ist, dass Juden und Araber in Spanien wie in Arabien selbst zum Segen des Landes jahrhundertelang in freundlichem Verkehr nebeneinander gelebt haben.