Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1904)
- Article
- Die Gewinnbeteiligung im landwirtschaftlichen Betriebe [Betrieb]
- Date
- 1904-12-01
- Page
- Seite 372 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 372 — 1/2 %, und zwar nicht bar, sondern auf ein Sparkassenbuch, das erst mit dem sechzigsten Jahre des Inhabers aus der Sperre freigegeben wurde. Der Versuch ist bis auf unsere Tage fortgeführt und m. W. erst vor kurzer Zeit aufgegeben worden. Etwas anders verfuhr der Gutsbesitzer Neumann- Posegnick. Er gewährte zuerst 6 %, dann 8 % vom Reingewinn (nach Abzug von 4% Kapitalzins und 5% Amortisations¬ und Ameliorationsfonds) an die Gesamtheit seiner Arbeiter, die einen, einigermassen nach ihrer Leistung abgestuften, Anteil daran hatten. Der Bonus musste auch hier zum Teil in die Sparkasse eingezahlt werden und wurde erst im sechzigsten Jahre frei. Das 1854 begonnene System war 1891 noch im Gange, und der Besitzer erklärte sich von den Ergebnissen befriedigt. Von weniger langer Dauer war ein Experiment, das der Lehnsbaron G. F. O. Zytphen-Adeler auf seinem Gute Dragsholm auf Seeland anstellte. Von dem Bruttoertrag erhielt der Grundherr vorweg den Wert von 3000 Tonnen Gerste; der Rest wurde zu gleichen Teilen zwischen dem Gutsherrn und seinen Arbeitern, und zwar nach einem je nach der Leistung abgestuften Tarif verteilt. Von diesem Bonus kamen drei Viertel bar zur Auszahlung, ein Viertel wurde einem Sparfonds zugeführt. Trotz guter Erfolge wurde der Versuch aus unbekanntem Grunde nach fünf Jahren aufgegeben. Der neueste Fall des Bonus-Systems hat den bekannten bodenreformerischen Antisemiten Graf en Reventlow auf Wulfshagen zum Urheber. Nach einem mir vorliegenden Bericht aus der „Volksstimme" gewährt der Graf seinen Arbeitern 8 % des Ueberschusses der Bruttoeinnahmen über die Bruttoausgaben; drei Viertel kommen zur baren Auszahlung, ein Viertel wird für einen Unterstützungstonds zurückgehalten. Die wirtschaftlichen Erfolge waren in den zwei ersten Jahren des Versuches infolge ungünstiger klimatischer Verhältnisse keine besonders glänzenden; dennoch war nach dem Urteil Reventlows die Wirkung auf die sittliche Haltung, die Disziplin und die Arbeitsfreude der Tagelöhner eine sehr günstige, und der Besitzer fuhr gut bei dem Versuche. Wenn ich diese vier Fälle des Bonus-Systems zusammenfasse, so lässt sich nur sagen, dass sie die Schlüsse des aphoristischen, auf psychologischen Voraussetzungen beruhenden Denkens voll bestätigen: Je höher der Bonus, je unmittelbarer die Auszahlung, um so grösser die Mehrergiebigkeit des