Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1904)
- Article
- Die Gewinnbeteiligung im landwirtschaftlichen Betriebe [Betrieb]
- Date
- 1904-12-01
- Page
- Seite 370 (sequence 6)
- Language
- German
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— 370 — Der älteste mir bekannte Versuch wurde 1825 von Siegmund Frhrn. von Rotenhan auf seiner Herrschaft Rentweinsdorf angestellt. Er teilte das ganze Areal in Abteilungen, die einzeln an Arbeiterfamilien ausgetan wurden. Alle Abteilungen blieben unter gemeinsamer Administration und mussten nach einem bestimmten Plane bewirtschaftet werden; der Arbeiter gab nichts als seine Arbeitskraft her und erhielt ausser reichlichen Naturalien ein Drittel des Ertrages. „Aus den Büchern wurde nachgewiesen, dass sich bei dieser Wirtschaftsart die Kosten gegen früher auf die Hälfte reduziert hatten." „Lord Walescourt richtete die Gewinnbeteiligung auf seiner Besitzung in Irland seit 1830 ein; es gelang ihm dadurch, den nachlässigen irischen Bauern zu emsigem Fleisse anzustacheln und Wohlstand und Zufriedenheit über einen Distrikt zu verbreiten, in welchem bis dahin nur Hungersnot und Verzweiflung herrschte. Lord W. äusserte sich 1846 über sein Unternehmen folgendermassen: „Ich wende das System seit 17 Jahren an und finde, dass es alle meine Erwartungen übertroffen hat. Es identifiziert die Arbeiter völlig mit den Interessen und dem Erfolge der Wirtschaft; dabei gab es mir volle Freiheit, jahrelang den Kontinent zu bereisen, und so oft ich zurückkehrte, fand ich, dass die Wirtschaft in besserem Zustande war, als wenn ich gegenwärtig gewesen wäre." In diesem Falle hat also die Gewinnbeteiligung selbst das schlimmste Uebel der Grosslandwirtschaft, den alle Rente vernichtenden Absenteeismus, siegreich überwunden! Dicht bei Berlin, in Bredow bei Nauen, war die Stätte eines weiteren sehr erfolgreichen Versuches mit der Partwirtschaft. Jahnke, der Besitzer eines grösseren Bauerngutes (ca. 66 Hektar) schloss, der „Leutenot" müde, mit fünf Arbeiterfamilien einen Teilbauvertrag, wonach er Grund und Boden samt Inventar, die Arbeiter ihre Arbeitskraft in das Geschäft einbrachten. Vorweg erhielt der Besitzer Wohnung und Garten, Futter und Stallung etc. für ein Pferd und 900 Mark Administrationsaversum, die Arbeiter nur Wohnung und etwas Gartenland. Den Ertrag erhielten zur einen Hälfte der Besitzer, zur anderen die Arbeiter. Der Erfolg war für beide Teile glänzend. Der Reinertrag des Herrn Jahnke war im Durchschnitt der ersten drei Jahre rund 6000 Mk., also pp. 100 Mk. pro Hektar Landes (!), und die Arbeiter hatten ausser freier Wohnung und Gartenbenutzung durchschnittlich je 1178 Mk. 81 Pfg. Einkommen, eine