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Altneuland · 1904-11-01 · Heft 11 (November 1904) · p. Seite 324

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Journal
Altneuland
Volume
1 (1904)
Issue
Heft 11 (November 1904)
Article
Die Gewinnbeteiligung im landwirtschaftlichen Betriebe
Date
1904-11-01
Page
Seite 324 (sequence 4)
Language
German
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— 324 — mitgewirkt haben, da solche Betriebe bekanntlich „Ausserhaus- Unternehmungen" sind, die ihre Arbeiter an zahlreichen verschiedenen Plätzen beschäftigen. * * * Nirgends aber hat sich die Gewinnbeteiligung derart als dem Lohnsystem überlegene Arbeitsverfassung bewiesen, wie in der Landwirtschaft. Ich werde zum Schlüsse einige der vorhandenen Versuche und Erfahrungen kurz darstellen: hier sei zunächst gezeigt, warum dieses günstige Ergebnis erwartet werden konnte, ja musste. Zunächst muss man sich klar machen, dass der Unternehmer der Grosslandwirtschaft sich seinen Arbeitern gegenüber in einer viel ungünstigeren Lage befindet als sein Standesgenosse in der Grossindustrie. Denn auf dem Lande sind die Arbeiter gerade so knapp, wie sie auf den industriellen Arbeitsmärkten im Ueberfluss vorhanden sind: die Wirkung der „Abwanderung" von dem Plattlande in die Städte! Infolgedessen holt der Gutsbesitzer durch die Gegenleistung des Lohnes aus seinen Arbeitern eine verhältnismässig noch viel geringere Leistung an Kraft und Sorgfalt heraus als der Grossindustrielle. Denn dieser kann eine „Hand" von unterdurchschnittlicher Leistung in jedem Augenblick entlassen, sicher, den Platz sofort mehrfach mit durchschnittlichen Kräften besetzen zu können, während der Grosslandwirt auch den schlechteren Arbeiter so lange wie möglich behalten muss, weil es äusserst unsicher ist, ob er einen besseren, ja, ob er überhaupt einen Ersatz wird finden können. Man könnte beinahe sagen, dass der industrielle Arbeiter trotz seiner anscheinend freieren sozialen Stellung dem Sklaven viel näher steht: -denn sein Herr schwingt über ihm die drohende Peitsche der Entlassung, der Arbeitslosigkeit und des wirtschaftlichen Ruins, während diese Drohung für den Landarbeiter unter den heutigen Verhältnissen eine rein akademische bleibt, die gar keinen Eindruck hinterlässt. Schlimmstenfalls lebt selbst der stellenlose Landarbeiter von der Armenunterstützung der Gemeinde mit etwas Gelegenheitsarbeit, die sich für ihn immer findet, und etwas Wald- und Felddiebstahl auch nicht allzuviel schlechter, als wenn er im Dienstverhältnis ist. Unter diesen Umständen hat denn auch das reine Lohnsystem in der deutschen Grosslandwirtschaft schon so gut wie völlig abgewirtschaftet; das Geschrei der Agrarier über die

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