Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1904)
- Article
- Die Wanderheuschrecke und deren Vernichtung
- Date
- 1904-10-01
- Page
- Seite 306 (sequence 6)
- Language
- German
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— 306 — allen Lebensaltern der Geselligkeitstrieb; in den ersten Stadien, bis etwa zur zweiten Häutung, schliessen sich in der Regel nur die aus einem und demselben oder einigen wenigen nahe bei einander abgelegten Eipäckchen ausgeschlüpften Hüpferchen zusammen in kleinere Trupps, „Schulen". Vom dritten Stadium ab bilden sich auch ohne Futtermangel grössere Verbände, die bei massenhaftem Vorkommen zu so gewaltigen Heeren anschwellen können, dass sie alles, was ihre Kiefer zu bewältigen vermögen, vernichten und das Land meilenweit zu verwüsten imstande sind. In dem ersten Stadium werden die kleinen Schulen der kleinen Hüpferchen sehr leicht übersehen, weil sie sich eigentlich nur bei warmem Wetter in den Mittagsstunden zeigen, sonst aber, namentlich aber in der Nacht und bei schlechtem Wetter, sich in Strohbündel, Heuhaufen, unter Erdschollen, altem. Laub oder dergleichen verkriechen oder um einen Grasbusch oder eine Staude eng zusammendrängen. Ihre Nahrung besteht zu dieser Zeit noch in zarten Unkräutern, und daher ist meist so wenig von dem von ihnen angerichteten Schaden zu merken, dass noch vor wenigen Jahrzehnten allen Ernstes die Ansicht vertreten werden konnte, sie lebten „vom Tau". Eigentliche Wanderungen pflegen sie in diesem Stadium, (und im zweiten) nur bei Nahrungsmangel anzutreten. Im zweiten Stadium sitzen sie zwar bei Nacht und kaltem Wetter noch in alter Weise an geschützten Stellen zusammen, doch sind ihre Klumpen jetzt schon erheblich grösser, wie sie auch bei der Flittersuche wegen ihrer grösseren Körpermasse schon mehr in die Augen fallen. Entsprechend der Zunahme ihrer Körpermasse und ihrer Kräfte machen sie sich auch schon an ältere Pflanzen, so dass sie schon in diesem frühen Stadium recht erheblichen Schaden anrichten können. In diesen beiden ersten Stadien sind die Hupfer sehr empfindlich gegen Hitze und Trockenheit, während sie später weniger davon leiden. Nässe und Kälte, obwohl sie ihnen während ihrer ganzen Lebensdauer sichtlich unangenehm sind,, scheinen sie trotzdem nicht in gleicher Weise wirklich ernstlich zu schädigen. Sie verkriechen sich davor wohl so sehr, dass schon mancher geglaubt hat, sie seien zugrunde gegangen: der erste schöne Tag zeigte sie aber wieder vollzählig am Vernichtungswerk. Vom dritten Stadium an werden sie ungemein viel beweg-