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Altneuland · 1904-10-01 · Heft 10 (Oktober 1904) · p. Seite 307

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
1 (1904)
Issue
Heft 10 (Oktober 1904)
Article
Die Wanderheuschrecke und deren Vernichtung
Date
1904-10-01
Page
Seite 307 (sequence 7)
Language
German
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— 307 — licher und beginnen zu „wandern". Ihre beträchtliche Körpergrosse gibt ihnen die Fähigkeit und ihre rege Beweglichkeit den Hunger, alles was grün ist, zu ihrer Nahrung zu verwerten. Doch auch jetzt noch sammeln sie sich des Nachts und bei regnerischem kühlen Wetter um eine Staude oder einen Busch herum, den sie dann vollständig überziehen und wie eine Bienentraube bedecken. Sie wandern wesentlich nur bei schönem "Wetter und erst wenn der Tau abgetrocknet ist, obwTohl gelegentlich in schönen warmen Nächten auch Wanderungen beobachtet sind. In welcher Richtung sie wandern, hängt ganz: vom Zufall ab: höchstens kann man sagen, dass sie lieber bergauf als bergab marschieren. Leichter Wind, Sonnenstand usw.. sind jedenfalls ohne Einfluss auf die Zugrichtung. Wohl aber lassen sie sich bei geeignetem Vorgehen „treiben", d. h. in eine gewünschte Richtung hinbringen. Und zwar lässt sich das am besten durch Schwingen von buschigen Aesten oder Flaggen seitlich und hinter ihnen erzielen. Zu eiliges Schwingen der Wedel, zu dichtes Herantreten, zu grosse Eile und starker Lärm erschreckt sie leicht, so dass sie auseinanderlaufen, sich einzeln verbergen und sich nicht mehr rühren. Als Futter werden in den letzten drei Stadien vor allem, die Getreidearten (bis zur Milchreife der Körner), Mais, Baumwollsaat, Kohl- und Rübenarten, Obstbäume und Weinstöcke gewählt. Negerhirse, Tomaten, Kartoffeln, Kürbis, Gurken, Tabak werden weniger gern angegangen, Maniok und Süsskartoffeln zwar abgefressen, aber wenigstens in der Knolle verschont. Erbsen und Bohnen werden meist gleichfalls wenig beachtet. Dieser Speisezettel gilt aber nur so lange, als der Tisch reich gedeckt ist; in der Not wird schlechterdings alles gefressen, auch trockenes Stroh und Rohr, Baumrinde, altes Leder, kurz alles, was ihre Kiefer bewältigen können. Die geflügelten wandern gleichfalls in grossen Schwärmen,, und zwar fast stets mit dem Winde oder wenigstens mit halbem Winde. Auch sie bevorzugen schönes, warmes Wetter, besonders wenn mittelstarker Wind weht, und können dann grosse Strecken mit hoher Geschwindigkeit zurücklegen. Flüge über 50' bis 60 km Entfernung dürften nicht so selten sein.. Die einbrechenden, zur Eiablage heranziehenden „Mutterschwärme" und die in die Winterherbergen abziehenden „Winterschwärme" halten, meist bestimmte, durch die von der Oberflächengestaltung beeinflussten herrschenden Winde vorgeschriebene Zugstrecken

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