Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1904)
- Article
- Die Wanderheuschrecke und deren Vernichtung
- Date
- 1904-10-01
- Page
- Seite 303 (sequence 3)
- Language
- German
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— 303 — Männchen ist die Färbung lebhafter als bei den Weibchen; bei den letzteren kann man die eingetretene Geschlechtsreife daran erkennen, dass sich nun ihr Hinterleib auf das Doppelte seiner Länge ausziehen lässt, ohne zu zerreissen (Vosseier). Nach den bisherigen Beobachtungen musste angenommen werden, dass die Schistocercen, nachdem sie zu Ende des Sommers Flügel erhalten haben, nach kürzerem Hin- und Herfliegen in der Gegend ihrer Brutstätte diese verlassen, um sich in „Winterherbergen" zu begeben, aus denen sie dann mit Eintritt des Frühjahrs wieder in die Gegend ihrer Geburtsstätten zurückkehren, um dort von neuem der Fortpflanzung ihrer Art obzuliegen. Vosseier teilt aber eine Beobachtung aus Usambara mit, wonach sie in den Tropen auch schon nach wenigen Wochen Geschlechtsreife erlangen, also event. zwei Generationen in einem Jahre erzielen können. Für Palästina dürfte aber die alte Beobachtung zutreffend sein, d. h. es ist zu erwarten, dass die (Jung-) Schwärme im Herbst (nach Süden oder Südosten hin) abziehen, um im Frühjahr wiederzukehren und Eier zu legen. Die Heuschrecken pflanzen sich durch Eier fort, und zwar werden diese vom Weibchen in selbstgegrabenen kleinen Höhlen etwa 6—8 cm unter die Erdoberfläche paketweise abgelegt. Jedes solche Paketchen enthält bei der Schistocerca etwa 80 bis 100 Eier. Als Brutstätten werden vermieden: nasse, sumpfige Stellen, Wald (aber nicht lichtes Gebüsch!) und loser Sand. Am meisten bevorzugt werden sanfte, vor scharfen und trocknenden Winden geschützte Hänge mit mittelbündigem Boden, namentlich solche, auf denen Gras und Kräuter büschelweise stehen.