Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1904)
- Article
- Abriss der Geologie Syriens
- Date
- 1904-10-01
- Page
- Seite 296 (sequence 8)
- Language
- German
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— 296 — fossiles Harz, das in beträchtlichen Stücken der Pechkohle eingesprengt ist. Es sieht genau wie Bernstein aus, hat aber eine etwas andere chemische Zusammensetzung und ist leider viel spröder und zerbrechlicher, daher wenig als Material zu Drechsierarbeiten verwendbar. Immerhin erscheint die Annahme von O. Fraas glaubhaft, dass die alten Phönizier, die Verbreiter der Bernstein-Industrie, zuerst im Lande selbst dieses Harz kennen gelernt und verarbeitet hätten, um erst nachher das bessere Material von auswärts zu holen und allein zu benutzen. Auch Erzbergbau trieben die Phönizier zur Zeit Salomos im Cenoman-Sandstein des Libanon, denn sie gewannen hier ihr Eisen. Von Eisenerzen liefert der Sandstein ausser dem schon genannten Schwefelkies noch Sphärosiderit, Toneisenstein, Roteisenstein, Rötel und Eisenocker. Dass das Sandsteingebiet des Libanon nebenbei die quellenreichste, fruchtbarste und daher bevölkertste Landzone des ganzen Gebirges bildet, die sich schon von weit her durch ihre dunklen Kiefernwaldungen und ihren Dörferreichtum abhebt, ist bekannt. Dem von der Natur stiefmütterlich behandelten Palästina, d. h. wenigstens dem Westjordanland, fehlt diese nützliche Sandsteinregion gänzlich. Erst jenseits desjjordan, an der Mündung des Jabbok am Ghor-es-Sesaban und im Osten des Toten Meeres, findet sie sich vor. Südlich vom Ausgang des Jabbok in das Jordantal gehört dieser Sandsteinregion offenbar das einzige bis jetzt sicher bekannte Eisenbergwerk der Israeliten an, die Mugharetel-warda, 3 km südsüdöstlich Radschib, welches Schwefelkies, Rot- und Brauneisenstein lieferte. Tierische Versteinerungen finden sich von Fischen (Heringen) abgesehen im eigentlichen Sandstein, einer halbterrestrischen oder lakustren1) Bildung, nicht vor. Das ändert sich aber sofort in den nächst jüngeren, mehr marinen Ablagerungen aus brackischem Wasser, der Trigonienzone, einem Wechsel von Mergel- und Kalkbänken. Gastropoden der Gattungen Cerithiumy Glauconia, Turritella, Bivalven der Gattung Trigonia herrschen zunächst vor. Diese noch teilweise etwas sandige Uebergangszone über dem Sandstein im Libanongebiet findet sich in dieser Ausbildung in Palästina nicht vor. Hier führen die obersten Lagen des Sandsteins noch keine Versteinerungen. Hier treten wir aus dem fossilleeren Sandstein sofort in die folgende Stufe der cenomanen Seeigel, Austern und Ammoniten, die Stufe des Buchiceras *) d. h. in. Süsswasserseen entstandenen.