Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1904)
- Article
- Abriss der Geologie Syriens
- Date
- 1904-10-01
- Page
- Seite 294 (sequence 6)
- Language
- German
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— 294 — hervor, dass die Zwischenzeit vom Kimmeridge bis zum Cenoman für Syrien eine ruhige Kontinentalperiode ohne Bewegungen der Erdrinde war, während welcher sich eine grössere Festlandsmasse von hier über Arabien und ganz Nordafrika, ja vielleicht teilweise über den Atlantischen Ozean bis nach Südamerika ausdehnte. Mit dem Cenoman beginnt die für Syrien wichtigste und längste Periode der Meeresbedeckung. Wie es bei grossen Transgressionen des Meeres über ausgedehnte Festlandsstrecken in der Regel der Fall ist, kamen zuerst dunkle, im Korn sehr wechselnde, vielfach eisenschüssige Sandsteine zum Absätze, der sogenannte1) Nubische Sandstein Aegyptens (zum Teil). Von der Arabischen Wüste an lassen sich diese Schichten verfolgen durch die Sinaihalbinsel, das südöstliche Palästina (Wadi 'Araba, Ostseite des Toten Meeres und unteren Jordantals) zum Herrnon und Libanon. In Nordsyrien fehlen sie. In den Anfang dieser Periode der Sandsteinabsätze fällt auch im Libanon der erste wohl submarine und litorale Ausbruchbasaltischer Gebirgsarten. Diese vulkanischen Ergüsse haben gewaltige Massen zutage gefördert, die alsbald von den Meereswogen zu Sedimenten verarbeitet wurden bis zur völligen Unkenntlichkeit ihres vulkanischen Ursprungs. Manche Tone und Mergel dürfen geradezu als die letzten Produkte des Meeres aus den ausgeworfenen Aschen und Tuffen bezeichnet werden, welche wie überall anderwärts den Erguss der Basaltlava begleiteten. Möhl, der die kretazeischen Eruptivgesteine des¬ Libanon mikroskopisch untersuchte, nannte sie zum Unterschied von den eigentlichen Basalten der Tertiär- und Quartärperiode Basaltite; vom Rath bezeichnete sie als Melaphyr, Lartet als Mimosit, wieder andere Forscher als Augitporphyr. Eine grosse Rolle spielen diese Basalte der Kreide besonders auch im Karmelgebirge, wo ich sie dieses Jahr zuerst entdeckte. In Begleitung wohlgeschichteter Tuffe von verschiedenartigstem Aussehen und Farbe, von Mergeln und harten Steinmergelbänken erscheinen sie in grosser Verbreitung in der Gegend von Zammarin, Igzim und Umm el-Fachm als ältestes Glied der Kreideformation. Hier, wo der untercenomane Sandstein, auch höhere fossilführende Cenomanmergel und-Kalke fehlen, vertreten sie allein das Cenoman und werden direkt von turonem Actaeonellen- und Rudistenkalken!) Nach Russegger, der unter dieser Bezeichnung sämtliche kretazeischen Sandsteine- Nubiens, der Libyschen und Arabischen Wüste Aegyptens, des Sinai und Syriens zusammenfasst.