Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 9 (September 1904)
- Article
- Die jüdische Kolonisation in Nord-Syrien auf Grundlage der Baumwollkultur im Gebiete der Bagdad-Bahn
- Date
- 1904-09-01
- Page
- Seite 276 (sequence 9)
- Language
- German
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— 276 — •besser vorankommen werden, wenigstens soweit sie in ihrer Probezeit als Feldarbeiter die nötige Ausdauer für den bäuerlichen •Beruf in körperlicher und geistiger Beziehung erreicht haben werden. Schwieriger wird es natürlich sein, die Gelder für die eigentliche Kolonisationsgesellschaft aufzutreiben, doch wird vermutlich die Jewish Colonization Association für diese Art der Kolonisation gewonnen werden können, da ja hier billiger als irgendwo anders grosse Massen östlicher Juden, ohne das Kapital zu gefährden, angesiedelt werden. Da die Gesellschaft das Land umsonst erhält, und das zu kolonisierende Arbeitermaterial aus lauter ausgelernten jungen Leuten besteht, die keine Familie zu ernähren haben, sondern meist wohl erst als Pächter oder nach ihrer definitiven Installierung heiraten werden, so handelt es sich im .allgemeinen nur um Vorschüsse für Hausbau, Vieh, Geräte und Saatgut, indem sie bis zu ihrer Ernte wohl von ihren Ersparnissen als Arbeiter werden leben können. Die Verzinsung und Amortisation •der Vorschüsse sind durch die Ernten, das Inventar und später auch die Hypotheken auf das Land sichergestellt. Die Pacht der ersten Jahre dient zur Tilgung der Generalunkosten und Spesen der Gesellschaft. Im allgemeinen werden die Vorschüsse den Wert von 3000 Frcs. pro Kolonist nicht übersteigen, eine Summe, die bei einigermassen gutem Boden — namentlich bei Baumwollbau auf bewässertem Land unter den heutigen Preisen — sehr bald zurückgezahlt werden kann. Auch für die Baumwollproduktion ist schon ein kleiner Versuch nicht ohne Bedeutung. Rechnen wir, dass jährlich nur etwa ein Fünftel der Güter mit Baumwolle bestanden werden kann, wahrscheinlich ist es nahe bei Adana bedeutend mehr, und ferner, dass der Hektar im Durchschnitt nur einen Ballen liefert, so würde jedes Gut von 1000 ha etwa 200 Ballen produzieren, und bei der Annahme, dass bei Nichtrechnung des Bodenpreises ein Kapital von 200 Mk. zur Bewirtschaftung eines Hektars gehört, so würden mit einem Kapital von 1 Million Mark, abgesehen von den weit grösseren Massen Weizen und Gerste, Sesam und Mais, jährlich etwa 1000 Ballen Baumwolle im Werte von ca. 250 000 Mk. dem europäischen Markt zugeführt werden. Für den Weltmarkt bedeuten freilich 1000 Ballen nur einen .Tropfen auf einen heissen Stein; bald aber werden sich ja die Arbeiter als Kolonisten ansiedeln und andere junge Leute an ihre Stelle in die Pflanzungen der Gesellschaft eintreten. Auch freiwillige, über etwas Geld verfügende Kolonisten werden bald