Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 1 (1904)
- Issue
- Heft 9 (September 1904)
- Article
- Die jüdische Kolonisation in Nord-Syrien auf Grundlage der Baumwollkultur im Gebiete der Bagdad-Bahn
- Date
- 1904-09-01
- Page
- Seite 277 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- Aleppo 1× ep/1047811
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— 277 - hinzukommen, und nach einer Anzahl von Jahren würde auch der Nachwuchs mit in Rechnung zu stellen sein. Auch die Türken der Nachbarschaft würden sich, falls der Eisenbahnbau sich ihren Ländereien genähert hat, bald mehr auf den Baumwollbau legen, besonders wenn ihnen gute Saat und passende Maschinen billig geliefert werden. Jede weitere von der Bahn gebaute Strecke würde neue Ansiedler ins Land bringen, und innerhalb eines Jahrzehnts könnten wir enorme Flächen Baumwolle erzielen, die tatsächlich schon auf dem Weltmarkt ins Gewicht fallen würden. Gerade die absolute Rechtssicherheit, die durch die Verwaltung seitens der Dette publique garantiert ist, würde einer schnellen Besiedelung des Gebietes in hohem Masse förderlich sein. Wenngleich irgendwelche genaue Untersuchungen, wie viel Baumwolle in Nordsyrien und Nordmesopotamien gebaut werden könnte, nicht vorliegen, so mag doch erwähnt werden, dass nach der Schätzung eines deutschen Grundbesitzers in Mersina allein das cilicische, jetzt 30—40 000 Ballen liefernde Gebiet eine Million Ballen produzieren könnte, während Major Schlagintweit die mögliche Produktion an Baumwolle in Nordsyrien und Nordmesopotamien auf zwei Millionen Ballen angibt. Gesetzt, dass ein Bauer neben dem zum Lebensunterhalt und zu Futterzwecken gebauten Getreide ca. 3 Ballen Baumwolle produziert, so würde die Erzeugung von drei Millionen Ballen eine Bevölkerung von einer Million Familien, also von etwa fünf Millionen Seelen voraussetzen, wobei noch eine mindestens halb so grosse Anzahl auf Handwerker, Händler, Transport vermittelnde Leute etc. zu rechnen sein würde. Da die in Betracht kommenden Wilajets Adana, Aleppo und Mossul knapp P/4 Millionen Einwohner zählen, so würde die ganze jüdische Bevölkerung- Osteuropas kaum genügen, um die allein durch den Baumwollbau Nordsyriens und Nord-Mesopotamiens ermöglichte Mehrbevölkerung von rund sechs Millionen zu decken. Wie würden sich erst die Zahlen gestalten, wollte man auch das fruchtbare, bewässerbare Land des südlichen Mesopotamien in das Bereich der Betrachtung mit einbeziehen! Die Baumwollkalamität ist ebenso wie das osteuropäische Judenelend und die türkische Firianznot keine Frage, die sich von heute auf morgen wird lösen lassen. Das ist aber sicher,